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Gartenarbeit im November und Dezember: Nach der Saison ist vor der Saison

Wintersalat und anderes Gemüse im Hochbeet zum selber bauen
Verschiedene Wintersalate, letzte Fenchel und Rote Bete: Das selbstgebaute Hochbeet, geschützt mit Dach, bietet noch so einige Leckereien im November und Dezember. Geschlossen auch darüberhinaus. Aktuell ernte ich nach und nach Herbstsalate und dann kommt hier Winterkopfsalat und Asiasalat, vorgezogen, rein.

In den Beeten und dem Balkongarten gibt es im November und Dezember noch einiges zu ernten, in einem überdachten Hochbeet oder unbeheizten Gewächshaus idealerweise den ganzen Winter. Wer jetzt noch leckeres Grün säen will und kein unbeheiztes Gewächshaus oder eben ein geschlossenes Hochbeet hat, kann sich dennoch etwas Frisches auf der Fensterbank säen. Erbsen oder Rauke sind hierfür ideal. Zudem: Es ist Pflanzzeit, etwa für Rosen und Gehölze, es werden die Samenbestände gecheckt, sortiert und zeitig neu bestellt. Was sonst noch an wichtigen Arbeiten im Garten und auf Balkonien ansteht – ein paar Tipps.

November und Dezember: Es darf noch gesät werden, Pflanzzeit & Hochbeet bauen

Ich säe nach wie vor und seit September monatlich, Wintersalat, genauer, Winterkopfsalat „Arctic King“ und „Winter Density“ (hier gibt es die 3 im Set) sowie einen Romana-Salat namens „Winter Gem“. Laut Packungsangabe ist der Winterkopfsalat zwar von Juli bis Oktober – andere Winterkopfsalatsorten werden laut Packungsangabe Mitte Januar gesät – , doch ein Test mal mit Aussaat zur Weihnachtszeit bescherte mir ab März und bis Ende April/Anfang Mai unzählige Köpfe mit frischem Salat. Der Salat ist gut winterhart und keimt bei etwa 10 – 15 Grad. Jetzt im November und Dezember zunächst beispielsweise auf einer kühlen Fensterbank gezogen, wird er anschließend in unser überdachtes und mit Seitenteilen versehenen Hochbeet gesetzt. Alternativ ins Gewächshaus und, hat man keine Schneckenprobleme, in einen Folientunnel oder  Frühbeetkasten, der auch auf dem Balkon seine Arbeit leisten sollte. Am besten nach und nach an Außentemperaturen gewöhnen. Wenn es mild bleibt und die Pflänzchen ein paar Blätter haben, dann können sie aber auch in den Topf oder das Beet. Ich hatte in den letzten Jahren noch keinen so starken Frost, dass die das nicht überlebten. Tipp: Einfach mal nach Winterkopfsalat oder Asiasalat Ausschau halten und ausprobieren.

 

Tipp: Geschlossene Hochbeete wie auch Frühbeete oder Folientunnel können bei besonders eisigen Temperaturen mit einer oder mehreren Kerzen beheizt werden. Das erzeugt im Inneren deutlich höhere Temperaturen. Ich verwende bei Bedarf hierzu immer Friedhofkerzen und stülpe einen Tontopf mit Loch auf der Unterseite darüber. Wie man übrigens so ein Dach für ein Hochbeet ganz einfach selber bauen kann präsentiere ich in einer separaten Bauanleitung für ein Hochbeet-Dach. Aber auch ohne Dach kann man nun super ein Hochbeet bauen. Alleine weil es jetzt die besten Füllmaterialien Wie Schnittgut und Kompost hierfür gibt.

 

Der November ist zudem eine gute Pflanzzeit für Rosen, Gehölze oder Beerensträucher. In November ist auch noch Zeit, um Knoblauch zu stecken. Spezieller Steck-Knoblauch bringt hier mehr Erfolgsgarantie, als jener aus der Gemüseabteilung. Beim Test klappte zwar die Anzucht auch aus diesem (eine von zwei Sorten vom Gemüsehändler), jedoch hat man hier keine Garantie, dass aus ihm was wird. Denn es kann sein, dass der Knobi aus wärmeren Regionen kommt und bei uns überhaupt nicht aufgeht. Wer es jetzt versäumt Knoblauch zu stecken, der kann dies auch noch im März machen. Meist werden dann die Knollen allerdings nicht so groß. Knoblauch gelingt übrigens auch hervorragend in einem größeren Topf. Mein Balkonkastentest ergab ein eher mageres Ergebnis. Gleiches gilt für Winter-Steckzwiebeln. Auch sie können vor dem Frost in die Beete oder große Kübel. Wobei sie für Balkongärtner unpraktisch sind, da sie einfach zu viel Platz benötigen und diesen lange blockieren.

 

Man kann jetzt an idealerweise sonnigen Tagen auch noch Samen sammeln, etwa von den geliebten, einjährigen Sommerblumen. Die meisten hiervon sind total einfach im nächsten Frühjahr selbst zu säen. Es kann bei nasser Novemberwitterung allerdings sein, dass die Samenstände zu feucht sind oder gar schon leicht schimmelig. Beides keine guten Bedingungen, um sie einzulagern. Tipp: Die meisten Sommerblumen kann man jetzt auch direkt an Ort und Stelle säen. Den entsprechenden Bereich von Wildwuchs befreien, Erde etwas lockern und Samen verteilen. Das klappte letztes Jahr beispielsweise super mit Schmuckkörbchen.

Samen im Winter checken, sortieren und alte Gemüsesorten bestellen
Spätestens im Herbst oder Winter sollte der Hobbygärtner sein Saatgut sortieren, überprüfen, richtig lagern und neues bestellen. Ich mag diese praktische Samensammelbox, die, wenn der Deckel darauf ist, sogar einen Regenschauer verträgt, ohne dass das Saatgut nass wird.

Ernten vor und nach dem ersten Frost

Herbstsalate erfreuen uns im Beet und Balkongarten nun mit knackig-frischem Geschmack. Ruccola oder Endivie, späte Pflücksalate, Winterspinat, Feldsalat oder Winterportulak und Asiasalate sind jetzt erntereif. Auch der Zuckerhut, der etwa – 5 Grad und auch mal darüber verträgt, ist mancherorts jetzt zum Ernten bereit. Im Frühbeet oder unter Schutz kann der Zuckerhut ebenso wie Mangold den Winter gut überstehen und in frostfreien Tagen geerntet werden.

 

Pastinaken und viele Kohlsorten vertragen ebenfalls Frost. Sowohl das Wurzelgemüse, als auch der klassische Grün- und Rosenkohl werden durch leichte Minustemperaturen sogar schmackhafter. Solange noch kein Frost herrscht können andere Wurzelgemüse noch in der Erde verbleiben. Ein paar zu spät gesäte Rote Beete haben einen milden Winter an einem geschützten Standort sogar die kalte Jahreszeit überstanden.Tipp zur Samenproduktion: Letzte Karotten, Pastinaken, Rote Bete und Co. einfach mal bei entsprechend viel Platz bis zum Frühjahr in der Erde belassen. Diese treiben dann irgendwann aus, blühen und produzieren jede Menge Samen aus der eigenen produktion.

 

Im November besteht zudem letztmals die Möglichkeit viele Kräuter zu trocken, Schnittlauch und Petersilie kann jetzt noch geerntet und, das machen wir immer, eingefroren werden. Im Frühjahr treiben diese beiden Kräuter dann wieder zeitig aus.

Aufräumen in den Beeten und auf den Winter vorbereiten

Früher war es üblich, und ich sehe das leider nach wie vor in vielen Gärten, Ende Oktober, Anfang November alles abzuschneiden, was nur geht. Aufräumen in Deutschlands Gärten, kommt allerdings mehr und mehr aus der Mode, im Naturgarten sowieso. Es muss auch nicht alles geschnitten, herausgerissen und „winterfest“ gemacht werden. Denn: Stauden und Gräser können sehr wohl noch toll aussehen, wenn sie im Winter stehen bleiben, mehr noch, sie bieten so manchen Insekten hervorragenden Schutz. Und gerade Halme die hohl werden, können eine wunderbare Winterschlafstation für Insekten sein, manche spenden mit ihren Samen sogar noch Nahrung für Vögel im Winter.

 

Daher mache ich das im November oder Dezember so, dass das was in sich zusammenfällt und wirklich so gar nicht schön aussieht, das wird abgeschnitten. Zum Beispiel: Cosmeen (Schmuckkörbchen) oder Zinnien, vor allem Einjährige. Die Wurzeln allerdings verbleiben in der Erde. Wenn die dann nur etwas verrotten, gut so. Der Rest wie Echinacea, Sonnenhüte, Herbstanemone oder Hohes Eisenkraut (Verbena bonariensis) und andere Stauden werden vor dem Winter nicht geschnitten. Sogar der Lavendel oder Fenchel bleiben bis zum ersten Austrieb so wie sie sind. Die Stauden werden frühestens im März geschnitten. Auch verblühten Hortensien werden nicht geschnitten. Das sieht bei Frost oder gar Schnee nicht nur schön aus, mehr noch, die verwelkten Blütenstände dienen aus Schutz für die neuen Austriebe, die jetzt meist schon als Knospen vorhanden sind. Und Gräser oder Fackellilien werden einfach zusammengebunden. Auch das sieht schön aus und schützt vor allzu viel Nässe an der Basis in den Wintermonaten. Erst wenn die ersten Austriebe im Frühjahr sichtbar sind, dann heißt es Gräser schneiden.

 

Empfindliche Pflanzen wie eingepflanzter Rosmarin oder Feigen lieben eine dicke Rindenmulch- oder Kompostschicht rund um die Basis. Junge Pflanzen beider Gattungen werden zumindest im ersten jahr im Beet besser mit Vlies eingewickelt. Im Topf ist das immer zu empfehlen, Beide kommen hiermit gut zurecht. Wer Lust auf eigene, leckere Feigen aus dem Garten hat: Tipps & Tricks zu Feigen aus dem Garten.

 

Wer hat, kann jetzt Laub oder Rasenschnitt in den Blumenbeeten verteilen. Dieses verrottet ganz oder teilweise, was den Boden mit Nährstoffen anreichert, und bietet so manchen Pflanzen und Insekten Schutz. Heruntergefallenes Laub lasse ich auf den Beeten liegen. Das ist ein hervorragender Schutz und das meiste davon verrottet bis zum Frühjahr, dafür gehen Wildkräuter hierdurch schlecht oder gar nicht auf. Ein Teil des alten Gartens war dank einer blätterwerfende Magnolie so absolut „unkrautfrei“. Gleiches gilt für das Gemüsebeet, dass man nun für das kommende Jahr auch gerne etwas lockern und dabei etwas Kompost einarbeiten. Faule Gärtner werfen diesen Naturdünger und Bodenverbesserer einfahc auf die Beete. Regenwurm und Co. besorgen bis zum Frühjahr den Rest.

 

Wer es noch nicht gemacht hat und solange es frostfrei ist, kann jetzt noch im November Blumenzwiebel stecken. Selbst im Dezember klappt es in den milderen Regionen Deutschlands noch problemlos. Übrigens nicht nur in die Beete sondern auch in Töpfe können die Frühjahrs- und Sommerblüher gesteckt werden. Gerade in Töpfen kann man ruhig die Pflanzvorschriften vernachlässigen und fleißig und schön dicht Blumenzwiebel stecken. Werden hier – aber auch im Beet – die Zwiebeln einer oder mehrerer Sorten unterschiedlich tief gesteckt, dann verlängert man dadurch die Blühsaison. In Töpfen haben sie zudem den Vorteil, dass man sie überall aufstellen kann. Gerne sogar in Lücken im Beet. Dagegen sollten Dahlien und Gladiolen spätestens nach dem ersten leichten Frost aus der Erde und frostfrei überwintern. Man muss sich nicht gleich stressen, wenn es in den Wetternews „Frost“ heißt. Denn mal ein, zwei grad unter Null, das heißt noch nicht, dass der Boden auch gefriert; die eigentliche Gefahr für die empfindlichen Knollen.

Gartengeräte sollte man reinigen und pflegen. Ordentlich abgeschrubbt werden alle Gartengeräte, Rostanfälliges freut sich über eine dünne Ölschicht. Schneidwerkzeuge werden ebenfalls sorgsam gereinigt, Gelenke geölt und Schneiden gegebenenfalls geschliffen. Das Schärfen geht ganz einfach mit einem Messerschärfer, etwas umständlicher mit einem Schleifstein aus der Werkzeugabteilung. Hier noch ein paar Tipps zum Reinigen & Pflegen von Gartengeräten.

Topf- und Balkongarten für den Winter rüsten

Töpfe ohne Pflanzen sollten jetzt von der Erde befreit werden und gründlich gereinigt, insbesondere wenn kranke Tomaten, Gurken oder Zucchini darin saßen. Die Krankheitserreger kann man durchaus mit in die nächste Saison „tragen“ und dann ist eine neuerliche Erkrankung der Pflanzen meist vorprogrammiert. Besonders nicht frostfeste Töpfe werden dann frostfrei verstaut. Sind die Töpfe, die noch bis vor kurzem Tomaten oder Gurken als Saisongäste beherbergten wirklich groß und frostfest, dann können diese an einem wettergeschützten Stellplatz mit Erde überwintern. Für die neue Saison kann dann lediglich die obere Hälfte der Erde entfernt werden – besonders feste Gartenerde kann man mit dieser Erde auflockern – und nur die obere Hälfte wird für die neue Pflanzsaison frisch befüllt.

 

Auch Stützen, Tomatenstäbe (wichtig, wenn Kraut- und Braunfäule an der Pflanze war!), Rankgitter und wiederverwendbare Halter oder Klammern, nicht winterharte Töpfe und Deko sollten jetzt erst gesäubert und dann weggeräumt werden. Am besten mit heißem Wasser und einer Bürste. Schnell und einfach geht dies mit sperrigen Stützhilfen in der Badewanne. Manch Hobbygärtner nimmt sie sogar mit unter die Dusche. 🙂 Hat man übrigens nur sehr wenige Töpfe zu reinigen, dann klappt dies auch in der Geschirrspülmaschine. Davor aber dann Erdreste sehr gründlich entfernen.

 

Wer es mal versuchen will: Paprika und Chili kann man überwintern. Als Faustregel gilt: Je dunkler, desto kühler. Mein Test dieses Jahr, nachdem ich 2 x wegen allzu starkem Ungezieferbefall aufgegeben habe. In der Garage mit Kunstlicht bei etwa 10 Grad und im Treppenhaus beziehungsweise auf einer kühlen Fensterbank mit so 15, 16 Grad. Denn: Die Pflanzen sind mehrjährig.

 

Und wer Schnittlauch im Topf hat oder rechtzeitig noch aus dem Beet ausgräbt und eintopft, kann diesen nun auf einer hellen, nicht ganz so warmen Fensterbank überwintern. Die üppigen Pflanzen können hierzu auch gerne in zwei oder drei einzelne Pflanzen geteilt werden. Das geht wunderbar. Und dann? Wer genügend Licht hat, mehr und mehr kaufen sich Pflanzen- oder Wachstumslampen – reinweißes LED-Licht mit 6.500 K nahe an den Pflanzen genügt ebenso wie solch eine günstige Tageslicht-Leuchtstoffröhre – kann sogar schon ab Dezember wieder mit der Aussaat loslegen. Und zwar von Paprika, Chili und Auberginen. Und hier noch alle wichtigen Tipps, um Topfpflanzen zu überwintern.

 

Mehr zu Pflanzenleuchten lest Ihr hier und wer ab dem Winter regelmäßig mehr Pflanzen im Haus zieht, der wird mit diesem Praxistest von Anzuchtlampen glücklich. Mit diesen genialen Leuchten könnt Ihr sogar im dunklen Heizungskeller tolle Pflanzen für das Beet und den Topfgarten ziehen.

 

Bei Fragen, einfach melden unter redaktion at muhvie.de oder direkt im Kommentar.

 

Bilder & Text (c): Jürgen Rösemeier-Buhmann.

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