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Tomaten ausgeizen und Blätter kappen: Wie das geht und warum man das macht

Tomaten ausgeizen und Blätter entfernen, eine Anleitung
Tomaten ausgeizen und Blätter entfernen, eine Anleitung wie man es einfach aber richtig macht. Rechts: Der Hauptaustrieb, der bereits Blüten trägt. Links darunter geht ein Blattaustrieb weg, und genau in dieser Achsel ist der bereits mehrblättrige Geitztrieb. Daumen und Zeigefinger ansetzen und einfach ausbrechen. Spätestens 1 x die Woche sollte man die Tomaten auf Geiztriebe kontrollieren. Tipp: Wenn Geiztriebe schon etwas länger sind, dann kann man sie auch nutzen, indem sie entweder sofort in die Erde gesteckt werden oder in ein Wasserglas zum Wurzeln und später eingepflanzt gestellt. Gratistomatenpflanzen sind das Ergebnis!

Tomaten geizen oder ausgeizen – kennt das jeder? Warum macht man sowas, was bewirkt das und wie geht das überhaupt? Tomaten ausgeizen: Ganz einfach und sinnvoll. Und hat man das gemacht, dann werden auch gleich noch so nach und nach Blatttriebe entfernt. Wieso, weshalb, warum und bei welchen Sorten.

Endlich wachsen sie, die geliebten Tomaten aus der eigenen Anzucht oder vom Händler. Man kann den Tomatenpflanzen fast schon zuschauen, wie sie sich jetzt an den länger werdenden, warmen Tagen in die Höhe recken. Und da soll ich jetzt anfangen was wegzunehmen? Was der Fachmann Tomaten ausgeizen nennt hat seine Gründe. Ja, gleich mehrere.

Tomaten ausgeizen: Warum man das macht

Standet Ihr auch schon mal so im September vor einer Eurer Tomaten und dachtet? Was ein Wildwuchs! Triebe über Triebe, die dünn und wild durcheinander gen Himmel wachsen. Nicht mehr zu bändigen, der sauber ausgegeizte Nachbar trägt viel mehr Früchte und krank sind sie dann auch noch. Tomaten ausgeizen hat gleich mehrere Gründe. Zum einen fördert es einen kräftigen Wuchs und sorgt für Überschaubarkeit. Wer Geiztriebe entfernt, korrigiert etwas den Ausbreitungsdrang der Mittel- oder Südamerikaner. Was dort eher nebensächlich ist, ist bei unserem Klima essentiell. Denn die Anbauphase von Tomaten ist hierzulande doch eher kurz und es dauert nicht allzu lange, bis schon wieder feuchtes Wetter Einzug hält, das der gefürchteten Kraut- und Braunfäule Tür und Tor öffnet oder die Saison so schnell vergangen ist, wie sie kam.

Wer Tomaten ausgeizt erzielt folgendes: Die unbändig wachsenden Geiztriebe – sind wuchskräftiger als der Haupttrieb – werden weggenommen und der Hauptrieb darf alleine wachsen. Dies ergibt kräftigere Pflanzen, die sich auf die Fruchtbildung konzentrieren. Auch hilft dieses Ausgeizen dabei, dass das Grün der Pflanze nicht allzu dicht wird. Werden die Pflanzen mal nass oder sind sie feucht durch den spätsommerlichen Dunst, der garantiert kommt, dann hilft das Tomaten ausgeizen dabei, dass das Blattwerk schneller trocknet. Ist dies nicht der Fall, dann ist jede noch so robuste Pflanze nur allzu schnell Opfer des Kraut- und Braunfäulebefalls. Diese Pilze lieben es, sich auf den noch nassen Blättern anzusiedeln.

Hier wurde das Ausgeizen verpasst... Da der Geiztrieb wirklich dick ist und bereits Blüten ansetzt, dann bleibt er eben dran. Die Tomatenpflanze wird dann wohl zwei Spitzen haben.
Hier wurde das Ausgeizen verpasst… Da der Geiztrieb wirklich dick ist und bereits Blüten ansetzt, dann bleibt er eben dran. Die Tomatenpflanze wird dann wohl zwei Spitzen haben. Wird alleine schon schwierig diese anzubinden, was wiederum die Gefahr birgt, dass, sollte der Trieb reich tragen, er unter Umständen auch abbrechen kann. Wir werden sehen. Ausbrechen bei der Dicke sollte man den Geiztrieb, sofern er doch weg soll, nicht! Dann sollte man ihn abschneiden, denn sonst läuft man Gefahr, dass die Tomatenpflanze bis in den Haupttrieb reißt.

Ist die Tomate jedoch ausgegeizt, trocknen nicht nur die Blätter schneller, sondern die Pflanze ist einfach robuster. Zumal wir ja kein Tomatengrün, sondern die roten, gelben, schwarzen oder grünen Tomaten ernten wollen. Apropos „Tomatengrün“. Neben dem Tomaten ausgeizen fängt man nun bereits an, das Blattwerk nach und nach auszulichten. Von unten her entfernt sorgt dies gleich für weitere Gesundheit der Tomatenpflanzen. Denn: Die Blätter nahe am Boden werden garantiert beim Gießen oder von verdunstendem Wasser nass. Gerade über Nacht oder an schwül-warmen Tagen geht die Feuchtigkeit nicht weg und Krankheitserreger haben es viel einfacher, sich hier „anzusiedeln. Wer die unteren Blätter an den Tomaten entfernt, minimiert das Erkrankungsrisiko.

Während Geiztriebe meist in den Blattachseln direkt am Stamm mit zwei Fingern ausgebrochen werden, so wird das Blattwerk abgeschnitten, und zwar maximal bis zur ersten Blütenrispe und mit ein paar Zentimetern Abstand zum Haupttrieb. Wer die robusten Blattstiele indes abreißt, der riskiert, dass man Risse am Hauptstamm bekommt. Und auch hier können dann Kraut- oder Braunfäuleerreger schnell die Pflanze befallen.

Tomaten ausgeizen und Blätter entfernen Anleitung
Bei Tomatenpflanzen werden ab etwa Juni regelmäßig die unteren Blätter entfernt. Wie man hier an der linken Pflanze sieht: Bis zur ersten Blütenrispe. Dies hat gleich merhere Vorteile.

Tomaten ausgeizen macht man übrigens nur bei üblichen Stabtomaten. Stabtomaten sind jene, die nur einen Haupttrieb bilden sollten und an einem Stab gut fixiert gezogen werden. Dies ist bei der überwiegenden Zahl der Tomatenpflanzen der Fall. Dies, also das Ausgeizen von Tomatenpflanzen, gilt allerdings nicht für sogenannte Wildtomaten oder Buschtomaten, meist als Balkontomaten verkauft, da recht kleinwüchsig. Da geizen wir dann mit dem Geizen, sprich: Alles bleibt dran. An Wild- oder Buschtomaten hat es bei uns dieses Jahr Yellow Grape, Early Wonder, Johannisbeertomate und Riesentraube. Um da noch durchzublicken und um nicht jedes Mal das Steckschild aus der Erde zu ziehen, um zu sehen, willst du ausgegeizt werden oder nicht, hängen jetzt kleine goldene Bändel an den Tomaten von alten Geschenkverpackungen von Weihnachten. Ach und dann habe ich noch eine Tomatensorte, die man mehrtriebig ziehen kann, da sie so mehr Ertrag bringt. Und auch noch eine Baumtomate, die, sofern vorhanden, ebenfalls mehrtriebig und am Spalier gezogen werden könnte. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte… Ach und, bevor ich es vergesse: Man kann aus Geitztrieben nicht nur wunderbar neue Gratistomaten züchten, die Geiztriebe zum Kohl gelegt, das soll auch den lästigen Kohlweißling abhalten. Diesesn weißen Falter, der mit Vorliebe auf Kohl wie den leckeren Kohlrabi seine Eier ablegt und die dann schlüpfenden Larven alles kahl fressen. Habe ich mal gelesen, getestet und es funktioniert.

P.S. Das Tomaten ausgeizen und Blätter entfernen hat übrigens noch einen weiteren Effekt: (Zu) dicht gesetzte Tomaten wachsen nicht ineinander, womit wir wieder beim krankwerden wären, das verhindert wird.

Wer die Pflanzen ab der ersten Blüte mit wertvollen Mineralien versorgen möchte und gleichzeitig garantiert natürlich düngen will, der setzt jetzt auf Brennnesseljauche. Stinkt zwischendurch etwas, aber es „schmeckt“ den Tomaten wirklich. Als Pulver gibt es die Pflanze z.B. von Neudorff. Ist übrigens für alle Starkzehrer wie Gurken, Zucchini oder Kürbis optimal.

Danach und für die Düngung ab den ersten Früchten, so ab Ende Juli, setze ich Beinwell an. Denn Beinwell sorgt mit einer anderen Zusammensetzung wie die Brennnesseljauche dafür, dass sich schöne, aromatische Früchte bilden. Mit dem Produkt der Firma Dr. Schacht (gibt aber auch andere Hersteller) haben wir im Muhvie-Garten gute Erfahrungen. Und das Pulver hält ewig, wir haben noch genügend vom letzten Jahr. Beinwell-Pulver gibt es z.B hier:

Mit diesen zwei Pülverschen kann man jedenfalls hervorragend und effektiv natürlich düngen. So, verständlich, das mit dem Tomaten ausgeizen? Wenn nicht, einfach eine Mail an redaktion (at) muhvie.de (auch wenn ich mal zwischendurch im Urlaub bin).

Text & Fotos: (c) Jürgen Rösemeier-Buhmann

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8 Antworten

  1. Sabine
    | Antworten

    Hallo,
    ich ziehe zum ersten Mal Tomaten. Ich ahbe 20 „alte“ Sorten. Teilweise haben sich riesige Blätter entwickelt und das Tomatenhaus ist ziemlich undurchdringlich geworden dadurch. Kann ich die Blätter „halbieren“? Die Stabtomaten werden regelmäßig ausgegeizt.

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      sorry, der Kommentar ging unter, da die Spamprüfung spinnt :-/ Immer einfach kräftig ausdünnen. Am Besten von unten nach oben und Laub, das zu dicht sitzt…

  2. Thorsten
    | Antworten

    Hallo

    Erstmal ein großes Lob an deine Seite, die mir als Anfänger viele wertvolle Tipps gegeben hat.
    Zu meiner Frage: Ab wann beginne ich mit dem ausgeizen? Meine Pflanzen sind noch klein (5-10cm). Muss ich jetzt schon etwas wegschneiden?

    Grüße
    Thorsten

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Hallo Thorsten, das freut mich, dass du hier fündig wirst und lieben Dank für dein Lob! 🙂 Bei der von dir beschriebenen Größe wollen wir erstmal, dass die Tomatenpflanzen groß und kräftig werden. Da wird erstmal gar nichts entfernt. Da gibt es auch noch keine Geiztriebe. Die entwickeln sich erst in ein paar Wochen, ich schätze mal, so um die erste Blüte herum. DANN gibt es die Geiztriebe, wie man einen im ersten Bild sieht. So als Faustregel: Blätter entferne ich erst, wenn die Pflanze einen Meter oder gar größer – sortenabhängig – ist und bereits die ersten Früchte trägt. Viel Erfolg!

  3. Uschi Hammer
    | Antworten

    Habe heuer Cuore di Bu (Ochsenherz-Tomaten) selber gezogen, finde aber bei diesem Beitrag nicht, ob diese ausgegeizt, werden sollen. Habe es zwar gemacht, würde mich aber interessieren, ob es richtig war. Noch eine Anmerkung: habe 4 Stück auf dem Balkon in großen Kästen!
    Grüße Uschi

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Hallo Uschi, spät, aber ich antworte nach meinem Urlaub 😉 Als am besten eintriebig gezogene Tomate, besser ausgeizen. Ausgeizen (ausser bei Wild-/Buschtomaten) hilft im Zweifelsfall eh immer, Krankheiten vorzubeugen. Und bei einer Fleischtomate ist es sehr hilfreich, da es sonst schwer wird, die mehrtriebige Pflanze mit den schweren Früchten abzustützen. Viel Erfolg mit der Selbstgezogenen 🙂 LG, Jürgen

  4. Daniel
    | Antworten

    Gegen die braunfäule soll auch ein spritzen mit 1,5 prozentiger Milch helfen ab Mitte Juli. Das muss allerdings nach jedem regen geschehen. Durch den feinen fettfilm kann sich der Pilz wohl nicht ausbreiten. Habe ich von einer Gärtnerin mit über 600 tomatensorten mir sagen lassen 😉 wäre doch toll.

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Hallo Daniel, danke für die Anregung! Ja, das mit der Milch habe ich auch bereits von einigen Seiten gehört und wird unbedingt ausprobiert, sollte der fiese Pilz den Tomaten dann doch an den Kragen will 🙂 Ich habe allerdings auch gelesen, dass ein höherer Fettgehalt gut wäre. Hm, wird gegebenenfalls einfach mal ausprobiert! Vorsorglich werden jedenfalls die Blätter gestärkt, in dem ich Ackerschachtelhalmbrühe spritze. Dieses auch als Zinnkraut bekannte Grün stärkt die Blätter und macht sie unempfindlicher gegen Pilzbefall. Siehe: http://www.muhvie.de/mehltau-hausmittel-tomate-gegen-krautfaeule-vorbeugenund-wenn-die-gurke-krank-ist-2/ Wer dies in der Natur nicht findet – man kann es auch mit dem wohl wirkungslosen Sumpfschachtelhalm verwechseln -, das Kraut gibt es auch in Pulverform. Viele Grüße, Jürgen

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