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Probleme in der Anzucht auf der Fensterbank

Zu einem der häufigen Problemen in der Anzucht gehört leider Schimmel. Er kommt häufig durch die Anzuchterde oder, wie hier, durch die Anzuchttöpfe. Lösungen hierfür und weitere Probleme in der Anzucht und wie Ihr die beseitigen könnt.
Zu einem der häufigen Probleme in der Anzucht gehört leider Schimmel. Er kommt häufig durch die Anzuchterde oder, wie hier, durch die Anzuchttöpfe. Lösungen hierfür und weitere Probleme in der Anzucht und wie Ihr diese beseitigen könnt.

Nicht nur wer das erste Mal seine Pflanzen aus Samen selber zieht, steht ab und an vor Problemen. Gerade im Winter und auf der Fensterbank gezogen wartet unter Umständen jede Menge Ärger in der Pflanzenkinderstube. Was in der Anzucht an gängigen Problemen lauert, eine Übersicht und die Lösungen.

Gesät, doch es keimt nichts

Man hat alles schön brav nach Anleitung bei der Aussaat gemacht, doch es kommt kein Setzling aus der Erde wie auf der Packung beschrieben.

Mögliche Ursachen:

a) zu trocken. Das Saatgut darf nie austrocknen! Lediglich einmal ausgetrocknet während der Keimphase und der Samen ist tot. Da hilft nur etwas abwarten – vielleicht kommt doch noch was – oder nachsäen.

b) Die Bedingungen sind für diese oder jene Sorte einfach zu kalt und die Keimtemperatur wird nicht erreicht. Lösung: Wärmer stellen, wobei es auch mal etwas länger mit dem Keimen dauern kann, als es auf der Anleitung steht. Optional – und sind sehr gut – gibt es Zimmergewächshäuser mit Heizmatte: Zimmergewächshaus Gian (beheizt). Tipp: Fensterbänke für die Anzucht sind oft eine Kältebrücke, sprich: Es ist auf ihnen lange nicht so warm wie die eigentliche Raumtemperatur. Lösung: Dick Zeitung oder Styropor und die Anzuchtschalen.

c) zu altes oder zu warm gelagertes Saatgut, was bei frisch gekauften Samentüten nicht vorkommen sollte. Samen halten bei den meisten Sorten schon ein paar Jahre. Sie dürfen nur nicht bei Zimmertemperatur gelagert werden, dann lässt die Keimfähigkeit schnell nach.

Die Keimfähigkeit kann man ganz einfach testen. Samen abzählen, in ein Schraubglas angefeuchtetes Zewa geben, etwa ein Duzend Samen darauf platzieren und mit feuchtem Zewa bedecken, zuschrauben und warm stellen. Wenn weniger als 60, 70 % keimen: Dann heißt es: neue kaufen.

d) Wer stolz sein Saatgut aus den letztjährigen Früchten gewonnen hat und es keimt nichts, Ursachen: Zu früh aus unreifen Früchten gewonnen, eventuell Hybridsorten (wobei die auch keimen nur mit meist anderen Eigenschaften) oder falsch und zu warm gelagert. Ich habe meine Samenboxen immer im kühlen, aber trockenen Keller stehen.

Schimmel in Anzuchttöpfen

Hier "schwitzen" Tomaten, Zucchini und Gurken unter otimalen Bedingungen: Im Zimmergewächshaus mit einem guten Mikroklima, Licht und auf einer Heizmatte.
Hier „schwitzen“ Tomaten, Zucchini und Gurken unter optimalen Bedingungen: Im Zimmergewächshaus mit einem guten Mikroklima, Licht und auf einer Heizmatte. Das sichtbare Kabel ist ein Temperatursensor.

Ihr habt ein optimales Klima geschaffen, gerne in den erwähnten Zimmergewächshäusern, und schnell ist es passiert, es schimmeln die Anzuchttöpfe. Dann war vielleicht die Anzucht- oder Aussaaterde nicht keimfrei.

Hier meine Tipps:

a) Kauft keine Aussaaterde, die im Handel im Freien liegt.

b) Auch alte vom letzten Jahr würde ich nicht verwenden.

c) Setzt lieber auf Qualität, statt „No Name-Produkte“ zu kaufen. Ich kaufe in der Gärtnerei immer die torffreie Aussaaterde von Neudorff (Neudorff NeudoHum Aussaaterde und Kräutererde, 10Ltr.).

d) Schimmel reduziert sich, wenn man die gekeimten Setzlinge ein paar Tage nicht mehr abdeckt (eventuell problematisch bei Allergie!) und die Erde antrocknen lässt. Vorsicht: Nur austrocknen lassen, wenn die Pflänzchen gekeimt sind (siehe oben)! Auch nochmal millimeterweise Erde auf die Anzuchttöpfe geben hilft und oben genanntes Vermiculite.

e) Auf Nummer sicher gehen mit der Aussaaterde: Bei 140 Grad eine halbe Stunde beispielsweise in einem alten Bräter im Backofen erhitzen. Kann man auch mit den oben gezeigten Anzuchttöpfen machen: Die schimmelten letztes Jahr bei mir teilweise. Die Recyclingvarianten, Eierpappkartons oder selbstgemachte Pflanztöpfe aus Zeitungen schimmeln nach meiner Erfahrung noch viel schneller.

Geilwuchs oder Vergeilen

Das Wort Geilwuchs – Vergeilen ist ein Synonym – hat jetzt nichts mit zweideutigem und „tollem“ Wachstum zu tun, sondern beschreibt vielmehr die Tatsache, dass das Pflänzchen zu wenig Licht hatte, mit dem Ergebnis: Der Haupttrieb wächst allzu lang und spargelig. Das macht die junge Pflanze, um sich verzweifelt Licht zu suchen, was aber gar nicht so ideal ist und sie sich dadurch schlecht entwickelt. Im schlimmsten Fall ist das Licht sogar so gering, dass sie irgendwann eingeht.

Lösungen:

a) Wenn irgendwie möglich, dann solltet Ihr für die Anzucht eine oder mehrere Fensterbänke in Richtung Süden haben. Ost, West geht unter Idealbedingungen (keine Bäume davor, etc.) ebenfalls. Auch ein Dachfenster ist ideal, ein Leser der Muhvie.de-Tipps schwört sogar darauf.

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So sehen frisch geschlüpfte, glückliche Tomaten aus. Die keimen bei mir warm und ist kein Platz mehr unter der Tageslichtlampe, dann geht es ans Westfenster im kühlen Treppenhaus, in dem es so 15 Grad hat. Hier sind sie mit einem echten Blattpaar (so heißen die typischen Tomatenblätter, die nach den spitzen Keimblättern kommen) bereits in Pflanzerde umgetopft. Wie immer: Etwas tiefer als zuvor gewachsen, das fördert die Wurzelbildung und die Pflanzen sind standfester.

b) Eine weitere Lösung in Sachen Licht, Wärme und gutes Wachstum: Das Licht auf der Fensterbank ist zwar ausreichend, allerdings ist es zu warm. Das ist oft die Hauptursache für Geilwuchs. Sieht man die ersten Anzeichen, dass die Pflanzen zu spargelig wachsen: Dann einfach auf eine helle, aber kühlere Fensterbank stellen. So um die 15 Grad reichen aus, um zum Beispiel Tomaten, Chili, Paprika oder Gurken bei entsprechend viel Licht erfolgreich und nach dem Keimen weiterzuziehen. Die Pflanzen wachsen dank fehlender Wärme langsamer, dafür ohne Geilwuchs. Vielleicht gibt es solche Bedingungen im Schlafzimmer oder im Treppenhaus.

c) Eine andere Lösung, um den Geilwuchs zu verhindern ist eine entsprechende Lichtquelle in Form von Tageslichtlampen oder speziellen Wachstumsleuchten. Diese Lichtquellen sind spezielle Leuchtstoffröhren oder LEDs – beide Systeme benötigen nur wenige Watt Strom –, die dem Tageslicht in ihrer Helligkeit und dem nötigen Farbspektrum sehr nahe kommen. Hierunter sind die Wachstumsbedingungen ideal, selbst in der dunkelsten Ecke Eurer vier Wände. Mehr zu dem komplizierten Thema und wie das Problem erfolgreich gelöst wird: Meine Praxistipps in Sachen Licht in der Anzucht.

d) Zudem gibt es Zimmergewächshäuser mit Licht und Heizmatte. Die Lampen benötigen sehr wenig Strom, haben sich in meinem Praxistest aber als sehr gut erwiesen. Dieses Zimmergewächshaus mit Licht – und Heizung – war letztes Jahr  mein Testobjekt (ich durfte es noch als Prototyp testen), das 1 a funktioniert: Zimmer-Gewächshaus Maximus. Die unter den Kommentaren geäußerte Kritik (in den Bewertungen im Shop) ist falsch (zu dünner Kunststoff) oder kann ich nicht verstehen (ein Kommentator lamentiert über die Temperaturregelung). Allenfalls die tatsächliche Temperatur sollte man anfangs im Auge behalten. Auf unserem Kellerboden (Fliesen und der Standort des Zimmergewächshauses) war sie zwei Grad kühler als eingegeben. Wundert mich jetzt dann aber auch nicht in einem winterlichen Keller und ist vernachlässigbar.

 

Wer lediglich Lichtprobleme hat und nicht so viele Pflanzen anzieht, ist mit dem kleineren, lediglich beleuchteten und deutlich günstigeren Modell „Lumio“ bestens bedient.

 

e) Ist übrigens bereits dieser Geilwuchs eingetreten, dann hilft eventuell noch dies: Sind mindestens die ersten echten Blätter nach den Keimblättern ausgebildet, dann in einen Blumentopf (so 10 cm Durchmesser) mit normaler Blumenerde pflanzen; allerdings dann rigoros tiefer. So hat die Pflanze mehr Halt.

f) Nochmal zurück zum Dachfenster. Als wir uns nach einer neuen Bleibe umgeschaut haben, da fiel mir auf: Viele Dachgeschosse in den meisten Einfamilienhäusern sind nicht ausgebaut. Da waren keine Dachfenster vorhanden, nicht einmal irgendeine Luke, um Licht herein zu lassen. Durch die Bank weg war dieser Raum ungenutzt und allenfalls die Kartons mit der Weihnachtsdeko wurden hier abgestellt oder das Spielzeug der mittlerweile erwachsenen Kinder. Das war es. Wer so ein Dachgeschoss besitzt – selbst wenn es etwas niedrig ist – und woanders keine Pflanzen ziehen kann, könnte diese ungenutzte Fläche prima nutzen.

Anstatt hier ein oder mehrere teure Dachfenster einzubauen, kann ein sogenanntes und doppelverglastes „Kaltraumfenster“ oder eine „Dachluke“ für kleines Geld kaufen und die Anzuchtschalen direkt darunter platzieren. Die Einbaumaßnahmen hierfür sind überschaubar. Nebenbei erfreuen Dachluken auch noch den Schornsteinfeger (zum Ausstieg) und sie sind auch toll für Garagen oder Gartenhäuser geeignet, um mehr Licht ins Dunkle zu bringen. Hier ist ein direkter Link. Tipp für diese Lösung: Ist es nicht warm genug, dann wird das mit Heizmatten gelöst.

Ungeziefer: Trauermücken

Alles Tomate - Mein Praxishandbuch für das erfolgreiche Tomatenjahr. Vom Tomaten selber ziehen über Ausgeizen und natürlich düngen
Alles Tomate – Mein Praxishandbuch für das erfolgreiche Tomatenjahr. Von der Anzucht über die bestmögliche Pflanzung im Beet und auf dem Balkon, was tun bei Problemen, richtig pflegen und natürlich düngen.

Trauermücken hatte ich letztes Jahr, winzig kleine Biester, die die Wurzeln der Setzlinge fressen. Irgendwann sind die Pflanzen dann tot, alle Mühe umsonst. :-/ Die Trauermücken kommen leider nicht gerade selten in der Anzucht vor und schlüpfen aus verseuchter Aussaaterde (sehr häufig, gerade bei schlecht gelagerter) oder wenn man sie wie ich mit überwinternden Pflanzen (Chilis) zusammenstellt.  Was älteren Pflanzen nicht unbedingt schaden muss, mir daher auch nicht aufgefallen ist, für gerade geschlüpfte Setzlinge sind sie schlecht.

Sind es wenige, dann helfen diese gelben Klebetafeln. Auch mit dem Staubsauger habe ich gute Erfahrungen gemacht. Einfach 1 x am Tag vorsichtig absaugen (und die kleinen Setzlinge nicht gleich mit, passiert schnell!). Zudem: Aussaattöpfe wieder abtrocknen lassen (mögen die Biester nicht, schwierig wiederum, wenn noch nichts keimte) oder einen Sud aus Knoblauch machen. Hierzu 2, 3 Zehen andrücken, mit 1/2 L kochendem Wasser aufgießen, abkühlen lassen, abseihen und damit sprühen. Hilft aber nicht immer. Und wenn tatsächlich so gar nichts hilft und die Pflanzen absterben: Anzuchttöpfe wegwerfen, Aussaaterde sterilisieren, nochmals schnell neu säen. Das ist ärgerlich, aber kein Beinbruch.

„Alles Tomate!“ Mein Praxishandbuch für alle Tomatengärtner

 

„Alles Tomate! Natürlich & einfach zu tollen Tomaten aus dem Beet & Topfgarten“ ist sozusagen „druckfrisch“. Mein kompakter Ratgeber gibt viele Tipps und verrät meine Tricks für bestmöglichen Erfolg durch das ganze Tomatenjahr. Anfänger wie Fortgeschrittene finden in dem kompakten Ratgeber alles Wichtige, um, ganz natürlich und von der Anzucht über die Pflanzung, mittels natürlicher Dünger und dem richtigen Schutz vor Krankheiten, jede Menge schmackhafte Tomaten zu ernten.

 

In ein paar Tagen erscheint der Ratgeber auch als handliches, 42-seitiges Taschenbuch. Download für alle digitalen Endgeräte und Buchbestellung unter „Alles Tomate!“.

Viel Glück und Spaß mit wenigen Problemen bei der Anzucht von tollen Samen für noch tollere Ergebnisse!

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4 Antworten

  1. Heidi
    | Antworten

    Hallo an alle Tomatenliebhaber,
    Leider fand ich noch keine Antwort auf mein Problem. Die Tomaten waren in neuer Anzuchterde wunderbar gekeimt und hatten schon die ersten zwei Blätter. Da meine Nachbarin den passenden Ort hat, wo sie jedes Jahr unsere Tomaten dann betreut, zogen die Tomaten zu ihr um. Sie hatte mir erzählt, daß sie zum ersten mal kein Glück hatte, ihre Pflanzen waren nach Keimung alle eingegangen. Kein Problem, ich hatte ja genug in meinem Anzuchtskasten, die jetzt in ihrem Fenster standen.
    Heute ruft sie mich an nach nur einer Nacht, sind auch meine Pflänzchen alle abgefressen.
    Sie ist entsetzt und kann absolut nichts finden, was den Schaden verursacht hat.
    Was könnte das nun sein?
    Grüße euch
    Heidi

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Hallo Heidi, zunächst: Sehr ärgerlich. Hm, im ersten Fall: Sind die Setzlinge von jetzt auf nachher umgefallen? Such mal nach der „Umfallkrankheit“. Diese wird durch Pilz- oder Bakterienbefall ausgelöst. Im zweiten Fall: Keine Haustiere, nichts unter den Anzuchttöpfen? Mir würde jetzt ne Schnecke spontan einfallen, erst Recht, wenn die Anzuchterde selbst gemacht war… Schaut mal auf alles drumherum und auf den Unterseiten von Anzuchttöpfen, Behältnissen,… Viel Erfolg mit der Neuaussaat! Grüße Jürgen

  2. Inge
    | Antworten

    Finde ich sehr hilfreich und toll erklärt. Vielen Dank!

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Hallo Inge, danke für dein liebes Feedback und viel Erfolg in der Anzucht! Grüne Grüße, Jürgen

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