Warum eine Betonmauer wertvoller als Kirschlorbeer ist

Kirschlorbeer oder Lorbeerkirsche kaufen pflanzen oder doch lieber entfernen
Stein des Anstoßes: Der Kirschlorbeer, der übrigens in der Schweiz auf der Schwarzen Liste der invasiven Neophyten steht. Foto: Pixabay.com/ulleo

Der Rasenmähroboter schnippelt den sattgrünen Teppich unter dem Trampolin und der frisch in Form gebrachte Kirschlorbeer, vor ein paar Jahren im Baumarkt erstanden, hält die Blicke der neidischen Nachbarn fern. Alltag in Millionen Gärten in Deutschland. Warum wir uns aber endlich von der Giftpflanze des Jahres 2013* trennen sollten.

Prunus laurocerasus heißt sie botanisch, die wuchsfreudige Pflanze und Verwandte der Kirsche und Pflaume, die richtig Lorbeerkirsche und nicht Kirschlorbeer heißt. Sie ist ein eingeschleppter Dauergast in deutschen Gärten, der von seiner Heimat aus, dem asiatischen Teil der Türkei, nach dem Niedergang der Thujahecken reihenweise die deutschen Neubaugebiete eroberte und nach wie vor erobert.

„Wer Kirschlorbeerhecken pflanzt, begeht ein Verbrechen an der Natur“, stellt NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann in einem provokanten Statement klar. Und weiter klagt er, „selbst eine Betonmauer ist ökologisch wertvoller, auf ihr wachsen mit der Zeit wenigstens Flechten und Moose.“

Warum sagt er das und warum tendiere ich dazu, seiner Meinung zu sein?

Kirschlorbeer-Bashing?

„Ich kann ja in meinem Garten pflanzen/mit ihm Machen was ich will!“… „Sieht doch schön aus, die Hecke und ist so pflegeleicht!“ … „Wächst schnell und macht dicht, schützt so vor den Blicken der Nachbarn“… Ersteres ist so ein üblicher Facebook-Gartengruppenkommentar, den auch ein Schotter“gärtner“ gerne mal äußert. Beide letzteren, zugegebenermaßen fiktiven Kommentare sind die all jener, die in ihrer kreativ- und gedankenlosen Gartengestaltung und Pflanzenauswahl im Baumarkt (welche Auswahl?) endlich die Lösung gefunden haben, um dem Nachbar mit ihrer Lorbeerkirsche den Blick zu versperren. Leider rühmt sich auch so mancher Gartengestalter damit, mal wieder eine schöne Kirschlorbeer-Hecke gesetzt zu haben. Belege? Gebt in der Suchfunktion von Facebook ‚Kirschlorbeer‘ ein.

Warum sagt Sönke Hofmann sowas, warum spricht er von einem Verbrechen an der Natur? Weil es eines ist. Millionenfach wurde und wird er nicht nur in in Vor- und Reihenhausgärten gepflanzt. Dabei scheint es die Pflanzenden überhaupt nicht zu interessieren das er giftig ist. 2 Blätter oder zehn Kerne sind für Menschen echt lebensbedrohlich. Gut, kann man sagen, wer isst den schon die Blätter? Oder die Frucht, die übrigens erstaunlich süß schmecken sollen, weswegen die Frucht in ihrer angestammten Heimat, der Türkei, auch unter anderem zu Marmelade verarbeitet wird.

Gut, kann man weiterhin dagegenhalten, zahlreiche Pflanzen im Garten sind giftig für den Menschen, was uns ja dennoch nicht abhält Fingerhut, Aronstab und anderes in den Garten zu setzen. Aber wenn er wenigstens einen Nutzen außer dem der Abgrenzung von der Außenwelt hätte. Ja, Spatzen tummeln sich in Deckung vor der herannahenden Nacht und vor winterlich ungemütlichem Wetter darin, Spatzen, Stare und Amseln fressen die Frucht. Insekten bietet er so ziemlich nichts. Kein Pollen und Nektar für Bienen. Allenfalls Wespen schön für Allergiker, wenn der Nachbar sowas pflanzt – mögen den Honigtau und der Dickmaulrüssler beißt gern in das harte Laub, das nicht mal auf dem Kompost verrotten will.

Nichtheimisch ist okay, aber bitte sinnvoll

Das soll jetzt kein Bashing gegen „Nichtheimisches“ sein, denn da hat so manches durchaus seine Berechtigung – umso mehr in Zeiten des Klimawandels -, wie ich in dem Text zu Städte retten Wildbienen schreibe. Auch darf durchaus mal etwas weniger Sinnvolles im Garten stehen, keine Frage. Nur mit dieser allzu üblichen Grundstückseinfassung geht jede Menge Potenzial verloren, um Insekten, Säugetieren – Fledermäuse nicht vergessen – und natürlich Vögeln zu helfen.

Denn wer etwas Sinnvolles im Sinne von „auch die tierischen Gartenbesucher haben etwas davon“ pflanzt, hilft mit seinem Garten dem Arterhalt. Und das in Zeiten, in denen es vielen Arten einfach schlecht geht. Über die intensive Landwirtschaft wird als Verursacher der Misere geschimpft, vielleicht noch über fehlende natürliche Lebensräume wie schwindende Wiesen oder monotone Wälder, die uns die Misswirtschaft in Zeiten des Klimawandels derzeit zeigen. Und vielleicht auch noch die Flächenversiegelung, die tagtäglich voranschreitet.

Buchenhecke Alternative zu Kirschlorbeer
Buchenhecke, eine gute Alternative zu Kirschlorbeer. Bleibt bis zum Neuaustrieb blickdicht und ist es so praktisch das ganze Jahr. Foto: Pixabay.com/cocoparisienne

Von Gärten in ihrer Gesamtheit und ihre Bedeutung in großem Stil als sogenannter Biotopsverbund redet fast keiner. Gut, außer die vorpreschende Landesregierung in Baden-Württemberg, die, welch eine Glanzleistung, Schottergärten für die Zukunft verbietet. „Dass Insekten keine Steine fressen könnten, dürfte allgemein einsehbar sein“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann ganz unverblümt.

Nicht minder wertlos ist eben der angepflanzte Kirschlorbeer, okay, er ist grün. Das war es dann aber auch.

Verbreitet sich rasend schnell, durch Vögel wie rücksichtslose Gärtner

Kirschlorbeer im Wald – wer das mal in eine Suchmaschine eingibt und die Bildersuche bemüht, wird feststellen, dass die Lorbeerkirsche überall in Deutschland in Wäldern wächst. Sei es durch die gefiederten Samenverteiler oder, weitaus öfter der Grund, durch rücksichtslose Gartenbesitzer, die ihr lorbeerblättriges Schnittgut dort illegal entsorgen.

In der Schweiz ist er aus diesem Grund auf der sogenannten „Schwarzen Liste“ der invasiven Neophyten. Invasive Neophyten sind per Definition jene Pflanzen, die wirtschaftlichen, gesundheitlichen (wie der Riesenbärenklau) oder ökologischen Schaden anrichten. Wirtschaftlichen wie ökologischen richtet er dort wie hier an. Die zahlenverliebten Schweizer haben es mal ausgerechnet. Sie beziffern den wirtschaftlichen Schaden durch die invasiven Neophyten auf 90 Millionen Schweizer Franken (über 83 Mio. Euro). Das sind die Kosten für die Entfernung, auch und gerade von Kirschlorbeer. Geht es so weiter, dann ist das wohl auch in Deutschland in naher Zukunft der Fall. Zahlreiche Ehrenamtliche und Förster arbeiten hierzulande heute schon an der Entfernung der deplatzierten Gartenhecke. Verkauft werden darf er in der Schweiz indes doch noch, auch wenn Stellen wie die Umweltberatung Luzern Hobbygärtner bereits aufrufen, die Lorbeerkirsche zu entfernen und durch heimische Sträucher zu ersetzen. Hört, hört.

Ökologische Folgen

Direkt durch die illegale Entsorgung, indirekt einfach dadurch, dass man ihn im Garten hat und Beeren gefressen werden, die wiederum Vögel mitsamt Düngerladung irgendwo zurücklassen, beteiligen sich die Kirschlorbeerbesitzer an der schrittweisen Zerstörung natürlicher Habitate. Warum? Weil der Kirschlorbeer praktisch überall wächst, selbst in den dunkelsten Ecken eines Waldes. So pflegeleicht wie invasiv.

Haben wir noch ein intaktes Stückchen (Misch-)Wald, dann ist die düstere Prognose, dass diese dank Lorbeerkirsche irgendwann passé ist, mindestens jedoch weiter und deutlich geschwächt wird. Die Büsche wachsen derart dicht, dass Pflanzen am Boden wie Schneeglöckchen, Waldmeister, Buschwindröschen, Maiglöckchen oder Bärlauch darunter verschwinden. Auch die natürliche Verjüngung der Wälder wird so unterdrückt.

Unserer Natur, der Flora wie Fauna, geht es schon schlecht. Da ist auch und gerade der Hobbygärtner in der Pflicht, etwas zur Verbesserung beizutragen. Und immerhin wäre auf den etwa 800.000 bis 900.000 Hektar Gartenfläche in Deutschland einiges möglich. Das soll mehr als zwei Drittel der deutschen Naturschutzgebiete sein. Der genannte Biotopverbund wäre möglich. Wenn alle nur wollten.

Kirschlorbeer entfernen?

Die einfachste Anwort wäre „Ja“. Das Problem, wie ich persönlich finde und es in vielen Neubaugebieten – aber nicht nur – sehe ist, dass selten viel mehr als die Lorbeerkirsche und ein den Sommer hindurch für eine makellose Optik wie wild gewässerter Rasen die mehr oder minder neuen, kleinen Gärten belebt. Das war es. Nix, nada, niente, was der heimischen Fauna hülfe.

Würde hier jede Menge Sinnvolles zusätzlich gepflanzt, dann wäre das ja noch okay mit der Lorbeerkirsche. Nur das ist selten der Fall. Ist ja so pflegeleicht hierüber zu hören, dem möchte man entgegnen, dass damit aber nicht ein Stück Verantwortung für die Natur übernommen wird, die ehedem schon arg gebeutelt ist. Sich da von den seit den 1990er Jahren als gehypten Strauch zu trennen, wäre doch verschmerzbar, oder?

Noch besser: Kirschlorbeer gar nicht erst pflanzen. Schon gar nicht in den Vorgarten – viele Bebauungsverordnungen in Deutschland fordern übrigens Heimisches (unsere von 1978 z. B.) vor der eigenen Hütte zu pflanzen. Und erst recht nicht unbeschnitten, sodass er sich durch Samen ausbreiten kann.

Und soll der Kirschlorbeer nicht entfernt werden: Bitte jede Menge Sinnvolles ins Innere des Gartens pflanzen. Das ist doch nicht so schwer und Arbeit macht es auch kaum. Nur am Rande: Je dichter ein Garten bepflanzt ist, desto größer wirkt er und desto weniger Arbeit macht er. Nebenbei kann man mit einer sogenannten Dichtpflanzung den Garten klimafest machen und spart Wasser. Wie das geht und weitere wichtige Tipps? Das beschreibe ich hier. Klingt paradox, ist aber so. Bei der Affenhitze der letzten Sommer gießen wir nicht öfter als alle zwei Tage die Blumenbeete. Wenn überhaupt…

Alternativen zu Kirschlorbeer

Kirschlorbeer Alternative vogelfreundliche Sträucher wie Vogelbeere
Kirschlorbeer Alternative vogelfreundliche Sträucher wie die Vogelbeere, die wunderbar zu einer, noch dazu einbruchsicheren, Hecke geschnitten werden kann. Foto: Pixabay.com/ThomasWolter

Es gibt zahlreiche heimische Alternativen, die den Kirschlorbeer auch als Schnitthecke ersetzen kann. Eibe, wenn es unbedingt auch giftig sein soll (Spaß! Denn Amseln erfreuen sich an den Beeren, Bienen am Honigtau), der Gemeine Liguster(für Bienen, Schmetterlinge und Vögel gleichermaßen gut) oder die (Hain-)Buche (die Hecke des Nachbars sitzt immer voll mit Vögeln). Aber auch andere heimische Sträucher lassen sich zu einer blickdichten, gerne auch dornenbewehrten Hecke schneiden. Ein prominentes Beispiel: Die Vogelbeere/Eberesche.

Solche und andere Alternativen zum Pflanzen von Kirschlorbeer sind (wieder) zeitgemäß und für die Neuanlage dringend angeraten.

Unsere Revierförsterin hat mir mal zwei Listen mit vogelfreundlichen und insektenfreundlichen Sträuchern überlassen. Und das Stichwort „insektenfreundlich“ finde ich gut, da auch anderes Getier, sprich Insekten, schließlich auch Nahrung benötigen, die wieder zur Nahrung für Vögel werden. Und das sind eben gerne auch Insekten.

Top 6 der heimischen Sträucher für Vögel und Säugetiere (nicht immer blickdicht, aber muss das auch komplett um den ganzen Garten sein?), die meistens auch noch jede Menge Bienen und andere Bestäuber anlocken:

  • Vogelbeere (Früchte verspeist von 63 Vogelarten, 31 Säugetierarten und jede Menge Insekten wie Wildbienen)
  • Schwarzer Holunder (62, 8, lt. BUND eine Bienenweide)
  • Traubenholunder/Roter Holunder (48, 5, Bienenweide)
  • Gemeiner Wachholder (43, 18, Bienenweide)
  • Waldhimbeere (39 20, Bienenweide, wie alle Beerensträucher)
  • Faulbaum (36, 11, lange Hochsommerblüte, Bienenweide, Nahrungspflanze für ein paar Schmetterlingslarven)

Die Top 6 insektenfreundlichen Sträucher:

  • Salweide (213 Insekten, vor allem Schmetterlinge lieben sie; durch gezielten Schnitt als Hecke zu ziehender Strauch)
  • Weißdorn (163)
  • Schlehe (137)
  • Haselnuss (112, plus natürlich Eichhörnchen)
  • Wildrosen (103)
  • Brombeeren (85)

Die kompletten Listen (auf 1 Din A4-Blatt) kann ich gerne per E-Mail zum Privatgebrauch verschicken. Schreibt mir einfach kurz an redaktion(ät)muhvie.de.

Und dann gibt es noch eine tolle Liste mit Hecken und deren Kombinationsmöglichkeiten bei der Gartenakademie Rheinland-Pfalz.

Das hier geschrieben soll provozieren und zum Nachdenken anregen. 😉 Ob Ihr nun Euren Kirschlorbeer entfernt oder nicht oder erst gar nicht pflanzt bleibt natürlich Euch und Eurem Umwelt-Gewissen überlassen. Hasstiraden müssen mir Kirschlorbeer-Verfechter jetzt darum nicht unter die Kommentare schreiben.

Bitte auch nicht sowas wie „in meinem Garten kann ich machen, was ich will“… Danke!

Im Gegensatz zu persönlichen Geschmäckern sind obige Argumente belegt.

* Die Giftpflanze des Jahres wird vom Botanischen Sondergarten in Hamburg-Wandsbek gekürt.

Print Friendly, PDF & Email

4 Gedanken zu “Warum eine Betonmauer wertvoller als Kirschlorbeer ist

  1. Wir haben ebenfalls ein Haus mit großem Garten und vieeeel Lorbeerkirsche gekauft. Riesige Büsche. Zwei ewig lange Ecken an den Grundstücksgrenzen. Heute viel zumindest schon einmal der Erste, der den Apfelbaum erdrückte. Der Rest wird nach und nach folgen.
    Aus diesem Grund hätte ich großes Interesse an der vollständigen Liste mit „guten“ Sträuchern. Einfach um zu schauen, was hier neben Obstbäumen, Brombeere, Holunder, Liguster und Eibe (die gibt es hier nämlich bereits) einzieht.

  2. Würde ich so gerne. Wir haben vor 8 Jahren ein Haus mit ganz kleinem Garten gekauft, voller Kirschlorbeer. Einer davon ist 3m breit und min 3m hoch und ca. 30Jahre alt. Wie krieg ich das Ungetüm denn weg vor allem wenn da wieder eine neue Pflanze hin soll?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error

Du magst, was du liest? Gerne weiterempfehlen. :-)