Wunderwerk Hecke: Warum viele Sträucher mehr können als Sichtschutz

Hecken und Sträucher und ihre Ökosystemleistung
Hecken und Sträucher und ihre Ökosystemleistung. Hier: DIe heimische und immergrüne Stechpalme. Foto: Hans-Roland Müller

Die Königliche Gartengesellschaft in England, die Royal Horticultural Society (RHS), hat sich in einer, bis dato einmaligen, Untersuchung näher mit der Bedeutung von grüner Infrastruktur in Städten beschäftigt. Hier vor allem mit Hecken. Und dabei ging es um weitaus mehr als um so Themen wie ‚Sichtschutz‘, ‚immergrün‘, ‚winterhart‘, ‚blühend‘ oder ‚gut für Vögel‘. Folgendes sollten nicht nur Städter bei der Auswahl von Sträuchern wissen.

Wer einen Garten neu oder umgestaltet landet irgendwann auch mal beim Thema Sträucher. Oder aber, sofern es um die Abgrenzung von der Außenwelt geht, beim Thema Zaun, Mauer, Gabionen und dergleichen. Doch auf letztere sollte man weitestgehend verzichten, denn sie bringen absolut keinen Mehrwert. Dagegen haben die unterschiedlichsten Sträucher ihre Funktionen, neben der Tatsache, dass viele davon auch noch wirklich gut aussehen. Und unter diesen Eigenschaften sind sogar sehr, sehr gute, geht es nach der Untersuchung der RHS.

Denn die Ergebnisse gehen weit darüber hinaus, inwieweit welche Pflanze gut für Biodiversität ist und welche nicht.

Was Sträucher und Hecken so alles können

Ökosystemleistung von Hecken Stichworte Luftverschmutzung und Buche
Wie hier in einem englischen Park: Hecken werden gerne als Strukturbildner in der Gartenachitektur eingesetzt. Dabei können sie noch weitaus mehr und die Umweltbedingungen verbessern. Foto: Pixabay.com/Tanna66

 

Hecken können mehr als nur Sichtschutz, Nektar liefern und Vögeln ein Versteck und Beeren bieten. Denn es gibt noch andere Variablen wie Luftreinhaltung, Kohlendioxid-Reduktion, Klimawandeleffekte reduzieren, Lärmreduktion und Hochwasserschutz. Mit durchaus erstaunlichen Ergebnissen. Auch und gerade für unser Wohlbefinden. Die Übersicht der RHS schafft erstmalig einen vollumfassenden Einblick in die Leistungsfähigkeit von Sträuchern (die englische Review gibt es hier).

Prinzipiell ist zu sagen, dass, wie zu erwarten, nicht alle Sträucher auch alles können. Grundsätzlich gehören folgende Sträucher zu den allgemeinen Favoriten der Strauchtester. Und dass hier der Riesen-Lebensbaum, also die Thuja auftaucht, hat mich verblüfft. Aber für bestimmte Einsatzzwecke hat auch sie eine Daseinsberechtigung. Welche genau wird im Text weiter erläutert.

Die Top 5 Sträucher mit dem meisten, dem vielseitigsten Mehrwert sind:

  • Buchen (Fagus sylvatica)
  • Stechpalme (Ilex aquifolium)
  • Hunds- oder Apfel-Rose (Rosa rugosa)
  • Gemeiner Liguster (Ligustrum vulgare)
  • Riesen-Lebensbaum/Thuja (Thuja plicata)

Die heimische Stechpalme ist übrigens Baum des Jahres 2021. Was viele nicht wissen: Wächst sie nicht im Unterholz wie oft in süddeutschen Wäldern, sondern frei und mit mehr Licht, dann kann sie hierzulande 10 – 15 Meter erreichen.

In den folgenden Kategorien wird die Ökosystem-Leistung von unterschiedlichen Heckenpflanzen genauer erklärt und die hierfür die passenden Sträucher angegeben (Auswahl).

Studienlage in Sachen Sträucher, Hecken und Co.

Wenn es Studien zu Grünpflanzen, speziell Hecken gibt, dann geht es heutzutage zumeist darum, inwieweit sie gut für die Biodiversität sind. Doch es gibt auch andere Faktoren, die mehr oder minder gut untersucht und essenziell für das urbane Wohnumfeld sind.

Eine hiervon: Luftreinigung.

Sträucher, die die Luftverschmutzung einfangen

Ökosystemleistung von Hecken Stichworte Lärmschutz und Thuja
Vorsichtig ausgedrückt: Von Naturgärtnern nicht gerade geliebt, die heute noch gängige Thujahecke. Doch: So unnütz sie für die heimische Tierwelt ist, so gut kann sie unter anderem Lärm filtern. Foto: Pixabay.com/rkit

Im urbanen Wohnumfeld, an viel befahrenen Straßen selbst auf dem Dorf haben wir echt ein Problem. Die Luftverschmutzung, die, so weiß man heute, gerade im urbanen Umfeld für viele Herz- und Lungenerkrankungen zumindest mitverantwortlich ist.

Dass Pflanzen die Luft reinigen, davon haben Hobbygärtner sicher auch schon was gehört. Spätestens bei einem Waldspaziergang hat sicher jeder bereits die „frische Luft“ wahrgenommen. Die Seite Arboristik.de präsentiert ein prägnantes Beispiel: Eine 25 Meter hohe Buche produziert so viel Sauerstoff, wie drei Menschen zum Atmen benötigen und Nadelbäume sind wegen ihrer viel größeren Lauboberfläche noch leistungsfähiger.

Sträucher, die die Luft reinigen sollten möglichst kleine, raue oder haarige Blätter haben. Zudem empfiehlt die Königliche Gartengesellschaft, dass die (dichte) Hecke etwa einen Meter tief und 1,5 Meter mindestens hoch sein sollte. Dann könnte eine Pflanze mit 1 x 1,5 m oder eben eine Hecke in dieser Größe, alleine eine Luftverschmutzung aufnehmen, die den Abgasen von 60 Diesel-PKWs entspräche! In Realität würde dieser theoretische Wert variieren. Doch es zeigt das Potenzial.

Sträucher, die die Luft reinigen sind laut Untersuchung insbesondere (hier kommt auch die Thuja zum Vorschein wegen ihrer großen Blattoberfläche):

  • Zwergmispel (Insekten- und Vogelnährgehölz ; entsprechend große Arten der Cotoneaster wie Cotoneaster lucidus)
  • Europäische/Gemeine Eibe (Taxus baccata, gut für Insekten (Honigtau) und Vögel, insbesondere Amseln)
  • Riesen-Lebensbaum/Thuja (Thuja plicata)
  • Wintergrüne Ölweide (Elaeagnus x submacrophylla; winterhart bis – 18 Grad)

Hecken, die Kohlendioxid besonders gut einfangen

Kohlendioxid, also CO₂, ist bekannt als eines der sogenannten Klimagase. Bekanntermaßen geben Pflanzen Sauerstoff ab und nehmen Kohlendioxid auf. Auch hier gibt es Unterschiede und die Leistung kann immens sein. Je dichter das Holz ist und/oder je schneller eine Pflanze wächst, desto mehr CO₂ nimmt sie auf. Beispiel: Eine 120 Jahre alte Buche mit 35 Metern Höhe „verbaut“ im Jahr etwa 3,6 Tonnen CO₂.

Diese Luftverbesserung gelingt auch Sträuchern oder Hecken. Sie können jede Menge Klimagas abspeichern. Und wird der regelmäßige Schnitt kompostiert oder landet geschreddert als Mulch auf den Beeten, dann bindet das Erdreich bei dessen Verrottung das enthaltene CO₂.

Die RHS empfiehlt insbesondere:

  • Buche/Rot-Buche (Fagus sylvatica)
  • Riesen-Lebensbaum/Thuja (Thuja plicata)
  • Lorbeerblättriger Schneeball (Viburnum tinus)

Und wieder diese Thuja-Hecke über die man sich in Sozialen Netzwerken durchaus mal in die Haare kommt… Nein, sie ist für die heimische Artenvielfalt definitiv und wirklich nichts, aber in Sachen Ökosystemleistungen leistet sie ihren Beitrag und kann gerade dem Städter saubere Luft bescheren.

Eine vierte Empfehlung als Strauch oder Hecke kommt dem Echten Lorbeer zu (Laurus nobilis) zu, den wir als Würzpflanze kennen und nicht zu verwechseln ist mit dem gängigen Kirschlorbeer. Bei uns ist der Echte Lorbeer nur leider nicht winterhart. Er verträgt lediglich zwischen -5 und -10 Grad Celsius.

Sträucher, die beim Wassermanagement helfen

Ökosystemleistung von Hecken Stichworte Hochwasserschutz und gut für Vögel und Insekten Weißdorn
Was eine nicht schafft, das schaffen viele. Würden alle städtischen Gartenbesitzer Hecken aus regenrückhaltenden Sträuchern pflanzen, dann hätte das einen immensen Vorteil bei Starkregenereignissen und allgemein für den Grundwasserspiegel. Hier: Der von vielen Tierarten geschätzte Eingriffelige Weißdorn. Foto: Pixabay.com/Didgeman.

Klimawandel und einhergehende Starkregenereignisse sind im urbanen Umfeld ein echtes Problem. Flächenversiegelungen allerorten, auch in unseren (Vor-)Gärten. Für Großbritannien vermeldet die königliche Gartengesellschaft, dass in Städten 3 von 4 Vorgärten gepflastert sind oder zumindest keine Pflanzen enthalten. Da fehlt der Rückhalt. Von London und seinen unzähligen Vororten weiß ich, dass dies ein echtes Problem für die Kanalisation sein kann.

Doch auch für die Natur selbst und den Grundwasserspiegel ist dies mittlerweile ein Problem, denn, an was selten gedacht wird: Regen ist auch dazu da, das Grundwasserreservoir aufzufüllen. Fließt er nur noch in die Kanalisation, dann ist das Wasser für die Natur verloren.

Jedenfalls gilt: Nicht nur bei Starkregen können Sträucher und Hecken wirksam helfen. Die Gründe sind vielfältig und bedingt durch folgende Variablen:

Heckenpflanzen mit großen Blättern, höheren Verdunstungsraten und viele Immergrüne werden in Verbindung gebracht mit

  • stärkerem Regenrückhalt,
  • Bremswirkung des Regenwassers (gelangt langsamer auf die darunter liegende Oberfläche, was den Abfluss verlangsamt), sowie
  • geringerem Wasserablauf (höhere Wasseraufnahmerate des Erdreichs durch den Pflanzenbedarf),

der selbstredend bei völlig unbewachsenen, also versiegelten Flächen viel größer ist. Also leider bei den ganzen Vorgarten-Zupflasterern und auch Schottergarten-Besitzern.

Die empfohlene Maßnahme: Die Hecke so groß und breit wachsen lassen, wie es möglich ist, um den maximalen Effekt zu erzielen. Folgende Sträucher werden von der RHS empfohlen, insbesondere die Immergrünen hierunter:

  • Zwergmispel (wieder geeignete Arten, strauchförmig wachsende Cotoneaster wie Cotoneaster lucidus mit 3 m Maximalhöhe)
  • Liguster (Ligustrum-Arten)
  • Eingriffeliger Weißdorn (Vogel- und Insektennährgehölz, Crataegus monogyna)

Pflanzt Hecken gegen Lärmverschmutzung

Was Hecken so alles können, das belegt die Untersuchung in Sachen Lärm. Klar, eine Hecke kann den Verkehrslärm an einer viel befahrenen Straße nicht wegzaubern, aber immerhin: Eine durch regelmäßigen Formschnitt dicht wachsende Hecke von etwa zwei Metern Höhe schafft es, Umgebungslärm um bis zu 8 Dezibel zu senken. Dies schaffen vor allem wieder immergrüne Sträucher wie:

  • Riesen-Lebensbaum/Thuja (Thuja plicata, immergrün)
  • Europäische/Gemeine Eibe (Taxus baccata, immergrün)
  • Stechpalme (Ilex aquifolium, immergrün)
  • Thunberg-Berberitze/Grüne Hecken-Berberitze (Berberis thunbergii, etwa 2 m Wuchs, gibt es auch als rote Berberitze, sommergrün)
  • Kirschlorbeer/Lorbeerkirsche (Prunus lauracerasus)

Ich bin niemand, der, wie Thuja/Lebensbaum auch, einen Kirschlorbeer empfehlen würde, ganz im Gegenteil wie mein Beitrag Warum eine Betonmauer wertvoller als ein Kirschlorbeer ist zeigt.

Aber in Sachen Lärmschutz erfüllt er dann doch eine Funktion im Garten.

Hecken für die Artenvielfalt

Die gibt es natürlich auch. Und bei oben genannten Sträuchern habe ich es teilweise auch erwähnt und einen Artikel hier auf Muhvie.de zu vogelfreundliche und/oder insektenfreundliche Hecken verlinkt. Liguster, Weißdorn, genannte Hundsrose, Buchen, dazu noch Feuerdorn (Pyracantha coccinea) und zahlreiche andere.

Gerade eine Kombination dieser, so ausreichend Platz, bietet einer vielfältigen Besucherschaft zu unterschiedlichen Jahreszeiten etwas. Und das ist natürlich ideal.

Neben den Ökosystemleistungen wie zuvor genannt. Selbstredend schafft eine Hecke in einem Garten keinen Wandel in Sachen Umwelteinflüsse. Hier ist es wieder die Masse, die es macht. So wie viele, viele Gärten und Balkone, die, sinnvoll mit Blühpflanzen bepflanzt, einen pollen- und nektarreichen Teppich für unsere arg gebeutelten Insekten ausrollen. Soll heißen: Pflanzt wieder mehr Hecken. Im Gros macht sich das dann bemerkbar. Beim Lärmschutz und der Luftverbesserung vor der eigenen Nase hilft auch der „Alleingang“ bereits viel.

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