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Die neuen Garten-Trends der Chelsea Flower Show 2016 in Bildern

CHelsea Flower Show LG Garden 2016
Eine meiner favorisierten Gartenszenen auf der Chelsea Flower Show 2016. Der Garten war vielleicht 100 m² groß, hatte aber alles, was einen Wohlfühlgarten ausmacht. Hier: Ein toll umrahmter Sitzplatz.

Die Chelsea Flower Show zumindest ein einziges Mal zu besuchen, das war ein Wunsch, den ich mir 2016 erfüllte. Die Gartenmesse, die weltweit die Gartentrends wiederspiegeln soll, findet alljährlich auf einem Gelände von etwa 20.000 m² statt, auf dem aus dem Nichts zahlreiche Showgärten eingerichtet werden, die die neuesten Pflanzen und malerische Gartenbilder inszenieren. Gleichzeitig findet der Besucher hier unzählige Verkaufsstände, etwa mit gutem englischen Gartenwerkzeug, gigantische Skulpturen, sündhaft-teuren, aber traumhaft-schönen Gartenhäusern, Grills, Bekleidung oder Wohnaccessoires. Was gab es auf der Trendsettermesse vom 24. – 28. Mai 2016 in London zu sehen? Einiges!

Alles ist inszeniert auf der nun bereits 103 Jahre alten Chelsea Flower Show rund um ein riesiges Zelt mit über 100 der renommiertesten Pflanzenzüchter aus Großbritannien und Europa, die ihre schönsten, neuesten und raresten Pflanzen ausstellen. Und Letzteres heißt oft nicht, dass die Pflanzenschönheiten einfach nur in Reih und Glied aufgestellt werden, sondern thematisch und optisch ansprechend in Szene gesetzt werden. Von einem der größeren Stände sollen auf etwa 100 m² alleine 4.000 Pflanzen eine malerische Szenerie gebildet haben.

Ob Gärten oder Zuchterfolge, alles wird einer kritischen Inspektion einer Jury unterzogen, denn: Es gibt Gold, Silber und Bronze für die besten ihrer Zunft, die eine Pflanze oder ein ganzes Sortiment zum Dauerbrenner nicht nur bei englischen Gärtnern machen (bei uns dauert es dann üblicherweise ein paar Jahre, bis die Schönheiten bei uns erhältlich sind) und die den Designer zum Star und seinen Sponsor in hellem Licht erstrahlen lassen. Ohne Sponsoren – von der Kosmetikfirma über die Investmentbank bis hin zu diversen Stiftungen – ginge die Umsetzung solch eines Gartens nicht, da seine Umsetzung schon Mal 250.000 Englische Pfund (325.000 Euro, Stand: Zeit der Chelsea Flower Show 2016) kosten kann.

Nebenbei: Selbst die erste Blumendekoration, welche man am Eingang zu sehen bekommt, wird einem guten Zweck zugeführt. Da werden Urban Gardening-Projekte mit der Pflanzenvielfalt unterstützt, wird ein ganzer Garten einem Hospiz gespendet und die Züchter in der Halle verkaufen am letzten Messetag traditionell ihre tollen Pflanzenschätze. Auch wenn viele Besucher bereits am 2, der 5-Tage-Show die wundervollen Schönheiten gleich mitnehmen, zumindest reservieren wollten wie ich bei einem unter anderem auf Fingerhüte spezialisierten Händler live mitbekam.

Chelsea Flower Show: Ein paar Trends

Zwar kein Gartentrend aber schön anzuschauen war, zum einen, dass selbst Mode- oder Einrichtungsgeschäfte im schicken Stadtteil Chelsea ihre Geschäfte mehr als üppig schmückten, anlässlich der jährlichen Chelsea Flower Show. Zum anderen: Selbst ein Kartenständer ist floral inszeniert, wird der Stand mit den hochwertigen Grills, kleinen Recyclingfguren oder sündhaftteuren Skulpturen – und mit sündhaftteuer meine ich Skulpturen jenseits der 20.000 Euro Preismarke – oder einer Traditionsmarke für Gartenschuhe zum wahren Blütenmeer. Ein Stand mit exklusiven Gartenmöbeln oder mit 2-Zimmer-Wohnung großen Gartenhäuser – alles, wirklich alles wird zu einer Blütenschau, die jeden Gärtner begeistert.

Chelsea Flower Show 2016 Bilder
Natur pur in einem Naturgarten und mit ganz einfachen Pflanzen. Neben Gräsern findet man hier die Nelkenwurz (orange), Akelei (lila-blau) und den kugeligen Zierlauch.

Chelsea Flower Show: Naturgarten

Doch zu den Trends: Ein Trend auf der Chelsea Flower Show 2016 galt eindeutig dem Naturgarten. Gräser gesellten sich zu Fingerhüten (die fast in keinem Garten mit ihren frühsommerlichem Blütenflor wegzudenken waren), ein- und mehrjährige Mohnsorten, verschiedenste Salbeisorten, Wildblumen wie der feinblütige Wiesen-Kerbel (allerdings mit dunkelrotem Laub) oder Akelei. Und immer wieder nahmen Kräuter im Blumenbeet statt oder spielten eine Hauptrolle wie etwa im Apothekergarten. Schließlich ging es im „Honeysuckle Blue (s) Garden“ um Pflanzen, mit denen früher, teilweise noch heute, Wolle und andere Stoffe gefärbt wurde und wird.

Zudem gab es Stände von Initiativen, die die Förderung von heimischen Gartenbewohnern wie bestäubenden Insekten mit Aufklärung und Pflanztipps fördern.

Ein Garten, der Cloudy Bay Garten aus Neuseeland, sollte sogar ganz natürlich daherkommen, da er fast ausschließlich mit heimischen Gräsern, Wildpflanzen, Hecken und Heidekraut um einen Teich bepflanzt war und eine tolle Holzkonstruktion als Zentrum hatte. Für mich eher nichtssagend, da kaum etwas blühte, hatte aber wohl wichtigen Bezug zur neuseeländischen Geschichte.

Der Natur und der Schönheit der Grafschaft Yorkshire wurde ebenfalls ein Garten gewidmet, wie der Schönheit Südfrankreichs. Auch einer besonderen und bedrohten Form von Landschaften – sogenannte „Chalk Streams“, ausgetrocknete Flussbette – mit einer einmaligen Flora und Fauna, alten englischen Eichenwäldern, dem asiatischen Mekongdelta und der Bedeutung von Wasser für alles Leben war auf der Chelsea Flower Show 2016 ein Garten gewidmet.

Natürlich und entspannend soll es jedenfalls im ländlichen oder auch dem Stadtgarten zugehen. Eine hierbei nicht unwichtige Variable war wohl auch die Pflegeleichtigkeit, wie ich las. Diese war jedenfalls eine der 9 maßgeblichen Kriterien der Jury in der Prämierung.

Chelsea Flower Show Trend: Urban Gardening

Am Angebot mancher Verkaufsstände sah man es, aber auch an ein paar Musterbeispielen, die Urban Gardening-Projekte vorstellten – Urban Gardening ist hoffähig und in der Welt der großen Gärtner, zumindest jedenfalls auf der Leitmesse in Sachen Garten angekommen.

Neben zahlreichen Produkten an Aussteller- und Verkaufsständen, etwa formschöne Pflanzsäcke oder Taschen und stylische Kisten und Regale für das Vertical Gardening und speziell auf den Balkongärtner zugeschnitten, wurden auch zwei urbane Gärten präsentiert. Zum einen ein Schulgarten, zum anderen ein städtisches Gartenprojekt.

Chelsea Flower Show Trend: Pflanzen und Farben

Chelsea Flower Show 2016 Bilder
Einer meiner Favoriten unter den Show- (gingen in die Wahl zum besten Garten ein) und Ausstellergärten (werden nicht als Garten, aber als Firmenstand prämiert). Eher klassisch, aber aber richtig schön und durchdacht, abgesehen von dem üppigen Grün und der Farben- wie Blütenvielfalt.

In Sachen Pflanzen waren heimische und für Bienen geeignete Pflanzen überall, gerade in den Showgärten gegenwärtig. Und auch wenn ich aktuell in einem der führenden Gartenmagazine las, dass Lilatöne der letzte Schrei in Sachen Gartenpflanzenfarbe seien, so habe ich auf der Chelsea Flower Show vor allem pastellige Farben gesehen sowie teils mutige Farbkombinationen. Und: Orange in allen Schattierungen, bis hin zu fast rostfarbenen Iris und der gefühlt überall eingesetzten, orangefarbenen Nelkenwurz (Geum „Scarlet Tempest“, u.a.) und eine ebenso pink-orange gefärbte Königskerze, die bestimmt in jedem zweiten Blumenarrangement stand.

Und was ergab sich hier für mich? Die Chelsea Flower Show ist ein gigantisches, einmaliges Highlight für jeden Gartenfan. Manchmal war ich direkt erschlagen von all den Blüten, den Arrangements, den gestalterischen Maßnahmen. Aber, es hat sich mehr als gelohnt und zum Glück habe ich das Ganze auf zwei Tage wohl dosiert. Jedenfalls werde ich in Sachen Blumenbeete im Muhvie-Naturgarten noch mehr feilen, mehr mit Farben (auch was das Laub angeht) und den vielen unzähligen Blütenformen experimentieren. Warum? Weil es einfach richtig Spaß macht und beispielsweise ein Purpur-Wiesenkerbel (Anthriscus Sylvestris ‚Ravenswing‘) – auch so ein letzter Schrei auf der Chelsea Flower Show –, mir bis dato unbekannt, mit seinem tief roten Laub und den grazilen weißen Blüten, die knapp einen Meter hoch im Beet stehen, so richtig schön aussehen.

Und, auch wenn für so ein Showevent die Pflanzen stets arg eng gepflanzt werden (enger, als Händler und Gärtnereien angeben), es sieht einfach richtig gut aus, viele Pflanzen auf kleinen Raum zu setzen. Pflegeleichter wird der Naturgarten so nebenbei auch. Allerdings, so sei angemerkt: Die Pflanzen sind teilweise so unter optimalen Bedingungen gezüchtet, dass sie nicht alle immer gleichzeitig blühen müssen. Also wie hier auf der Flower Show gezeigt.

Fotos & Text:

© Jürgen Rösemeier-Buhmann

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3 Antworten

  1. Andrea Nabhany
    | Antworten

    Super schoener Beitrag. Vielleicht kommen wir in Deutschland ja auch noch mal dahin, alles was mit Gaerten zu tun hat populaerer zu machen. Fuer meinen Geschmack gibt es noch viel zu wenig Gartenzeitschriften und vor allem Gartensendungen im Fernsehen. Aber so langsam wird es ja vielleicht noch was 🙂

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Hallo Andrea,
      lieben Dank und sehe ich genauso! Die Briten lieben ihre Gartensendungen zur besten Sendezeit, bei uns laufen die allenfalls in den 3. Programmen. Dann zu Zeiten, in denen der Hobbygärtner noch in seinem grünen Reich ist… :-/ Hoffen wir es mal! 🙂 Viele Grüße Jürgen

  2. Arlene
    | Antworten

    Tolle Bilder von der Show! Irgendwann mal….

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