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So gar nicht umsonst: Kostenlose Pflanzen durch Stecklinge vermehren

Pflanzen durch Stecklinge im Sommer vermehren
Stecklinge zu schneiden ist die günstigste und oft schnellste Art, neue Pflanzen zu züchten. Kleiner aber feiner Nebeneffekt: Die Klone einer Mutterpflanze, die sich im Garten wohlfühlt, werden dies ebenfalls tun. Dies ist nicht immer der Fall bei neugekauften Pflanzen. Wie man das macht? Ganz einfach: Eine Anleitung.

Der Sommer geht zu Ende und das Gartenjahr ist bald vorüber? Prima, denn jetzt im Spätsommer und Herbst kann man prima und ganz einfach Stecklinge schneiden und sich so völlig kostenlos neue Pflanzen züchten. Neue Lavendel, Hortensien, Geranien, Fuchsien oder Buchsbaumhecken und Obststräucher? Anleitung, um Stecklinge zu machen, zu ziehen und erfolgreich ins neue Gartenjahr begleiten.

Stecklinge werden aus noch jungen Pflanzenteilen geschnitten, die (noch) nicht verholzt sind. Dies gelingt mit vielen Zimmerpflanzen, mehrjährigen Topfpflanzen, allerlei krautigen Gartengewächsen, Sträuchern oder mediterranen Kräutern. Wer hier ein paar Regeln beachtet, der kommt so ganz einfach und vor allem kostenlos an so viele neue Pflanzen wie man möchte.

Stecklinge zu schneiden und daraus neue Pflanzen zu ziehen ist sowas von einfach und von der Natur sowas von genial. Kurz und laienhaft erklärt: An der Stelle, an der man einen Steckling abschneidet, da „sagt“ das geschnittene Pflanzenteil: „Liebe Zellen, ihr werdet jetzt nicht mehr zum Austrieb und wachst schön weiter, sondern ihr werdet nun zu Wurzelzellen, sodass wir diese Aktion auch ja überleben“.

So oder so ähnlich funktioniert das wirklich mit den Stecklingen. Und irgendwie finde ich das (mal wieder) sehr erstaunlich, was die Natur da so anstellt. Zumindest im Pflanzenreich. Stecklinge schneiden kann man bei Blühpflanzen so etwa ab August bis in den frühen Herbst. Sie sollten warm (später geschnitten auf der Fensterbank), zunächst aber nicht in der prallen Sonne stehen. Da habe ich die Erfahrung gemacht, dass die zarten Triebe wohl viel zu großen Stress haben und schneller eingehen. Schön im Schatten, aber eben warm, oder Halbschatten geparkt ist dagegen optimal.Ebenso: Sie in ein Minigewächshaus zu stellen oder eine Tüte drüberstülpen. Letzters liest man häufig als Tipp für ein wachstumsförderndes, feuchtes Mikroklima. Tatsächlich fördert das allerdings die Schimmelbildung. Ich persönlich lass das lieber.

Mein Tipp: Lieber ein paar Stecklinge mehr schneiden, dafür die Tüte weglassen und schauen, dass sie immer (!) feucht, aber nicht nass sind. Ein Untersetzer hilft hier immens.

Hat man Stecklinge aus winterharten Pflanzen rechtzeitig geschnitten, dann überwintern diese gut draußen. Geschützt an der Wand, im Frühbeetkasten oder dem ungeheizten Gewächshaus. Wird es allzu frostig, dann kann ein helles Garagenfenster auch schon gute Dienste leisten. Und Geranien oder Zimmerpflanzen dürfen eh rein ins Haus.

Was man benötigt, um Stecklinge zu machen

Also zunächst ist die richtige Pflanze nötig. Dann idealerweise eine wirklich scharfe Bypassschere. Das sind jene Gartenscheren, bei denen die zwei Klingen aneinander vorbeigleiten. Im Gegensatz zur Ambossschere hat sie den Vorteil, dass der Schnitt scharf ist und die Schnittstelle nicht zusammengequetscht wird. Dann ist ein scharfes Messer nötig – gerade bei Stecklingen mit großen Blättern – Erde und Töpfe. An Erde sollte man entweder gleich Anzuchterde verwenden oder zum Beispiel Pflanzerde mit Sand abmagern. Alternativ kann man Perlit oder Vermiculit locker 1:2, Zusatzstoff zu Erde, mischen. Das fördert zum einen die Wasserdurchlässigkeit, zum anderen lockert es die energiereiche Erde etwas auf. Dies wiederum fördert die Wahrscheinlichkeit, dass der Steckling erfolgreich anwächst und die Wurzeln vor allem gut ausgebildet werden.

Dann die Töpfe für die Stecklinge: Tontöpfe sind super, es gelingt allerdings auch mit Kunststofftöpfen. Je größer der Topf, desto mehr Stecklinge kann ich in einen stecken. Und dies stets an den Rand, denn dort ist die Belüftung besser (wenn aus Ton) und die zukünftigen Pflanzen haben maximal Platz, um sich erstmal zu beruhigen und die ersten zarten Wurzeln zu bilden. Beispiel: In einen 20 cm-Tontopf habe ich 5 Chrysanthemen-Stecklinge gesetzt oder 8 Lavendel-Stecklinge, da letztere zunächst weniger Platz benötigen. Langsam wachsende Buchsbaumstecklinge können sogar zu viert in einem 10 cm-Vierecktöpfchen platznehmen. Da bleiben sie erstmal bis zum kommenden Frühjahr. Wer genug hat, kann Stecklinge allerdings auch einzeln setzten. Dann aber erst Mal kleinere Töpfe. Das habe ich dieses Jahr zum ersten Mal mit zwei Stecklingen aus Hortensien gemacht. Die stecken solo in etwa 12 cm großen Plastiktöpfen.

Wer ganz sicher gehen möchte, der verwendet zusätzlich noch ein Bewurzelungspulver. Dieses enthält pflanzliche Hormone – bei dem Neudorff Bewurzelungspulver sind es beispielsweise reine Algenextrakte –, die die Wurzelbildung verbessern. Ersatzweise kann man ein, zwei Weidenäste in die Gießkanne stellen. Regelmäßig das Gießwasser auffüllen und damit gießen. Denn auch die Weidenrinde enthält ein natürliches Bewurzelungshormon.

So schneidet man einen Steckling

Ab der ersten Sekunde nachdem man den Steckling geschnitten hat, da fängt das Pflanzenteil an, abzusterben. Daher ist es dringend nötig, dass man den Steckling entweder sofort in eine verschließbare Plastiktüte packt, in ein Glas mit Wasser stellt oder gleich den entsprechenden Topf parat hat. Ich mache das mit den Stecklingen so: Ich bereite unten auf der Terrasse im Hanggarten die entsprechenden Töpfe vor, fülle sie mit der abgemagerten Erde, wässere gut, drücke die Erde an und ziehe mit meinem Wasserglas los.

Steckling, am Beispiel vom Lavendel schneiden: Wir haben ein paar wirklich große Exemplare an Lavendel. Diese sind in wenigen Jahren so etwa 2 Meter im Durchmesser gewachsen. Noch ein paar Jahre und dann sind die so verholzt, was ganz normal ist, dass sie unschön aussehen und auch immer weniger blühen. Daher sorge ich jetzt mal rechtzeitig mit Lavendel-Stecklingen vor. Dazu habe ich letztens 1. Töpfe mit Erde befüllt und diese angegossen. Dann bin ich direkt neben dem Beet zum entsprechenden Lavendel und habe mir diesjährige Triebe ohne Blüten und etwa 10 cm lang ausgesucht. Sie sind noch nicht verholzt und optimal, um aus ihnen Stecklinge zu ziehen.

Diese werden schräg unter einem Blattaustrieb abgeschnitten, schnell die Hälfte bis zwei Drittel der unteren Blätter abstreifen und ab in die Erde. Wer möchte, kann die Anschnittstelle noch in Bewurzelungspulver drücken. Auch ein sogenannter Verletzungsschnitt kann die Wurzelbildung fördern. Hierzu schnell am unteren Ende des Stecklings die dünne Rinde anritzen oder abschneiden.

Ist die Erde gut feucht, dann genügt gutes Andrücken, sonst nochmals nach dem Andrücken gut angießen. So standen die letzten, selbst geschnittenen Stecklinge im Schatten auf der Terrasse. Und, siehe da, nach zwei, drei Wochen kommt bereits leben in die Geschichte. Viele treiben dann bereits aus. Mit Ausnahme des Buchs. Der läßt sich gerne bis ins nächste Jahr Zeit.

Aus was man alles im Spätsommer und Herbst Stecklinge schneiden kann

Wohl noch ein Klassiker aus Omas Zeiten ist der Geraniensteckling. Vielleicht war es einst eine Zufallsentdeckung, so nach dem Motto „schade, abgebrochen im Herbststurm oder beim Einräumen, dann stecke ich eben mal den Trieb in die Erde und hoffe, das er anwächst.“ Und, wer es mal probiert hat, der weiß: Geranien-Stecklinge sind denkbar einfach zu ziehen. Das dauert keine drei Wochen, da sieht man bereits erstes Wachstum, was auf die Wurzelbildung hindeutet.

Ich habe bis jetzt Stecklinge aus Goldlack gewonnen, Hortensien, Chrysanthemen (allerdings vor der Blütenbildung), Geranien, Buntnessel, Fuchsien und Buchs, Rosmarin und Thaibasilikum. Buchsbaum-Stecklinge sind allerdings wahre Schlafmützen. Dafür kann man sie, wie die ebenfalls langsamen Rosen, direkt in ein Beet stecken, sofern genügend Platz. Dort verbleiben sie ein Jahr und kommen dann an den endgültigen Standort.

Weitere Pflanzen für Stecklinge im Spätsommer und frühen Herbst: Fleißiges Lieschen, Oleander, Clematis, Geißblatt (zog bei uns erst im Wasser wurzeln), Rhododendron, Bartblume, Rosmarin, Thymian und einigen anderen, mehrjährigen Pflanzen.

Wie man Pflanzen entspitzt und was das für einen Sinn macht
Zum Pflanzen entspitzen. Leider habe ich das Ganze lediglich 1 x fotografiert, aber das Prinzip bleibt gleich (hier: Eine Duftwicke). Will ich bei Pflanzen das Wachstum mehrere Austriebe an der Spitze anregen, dann wird meist im noch jungen Stadium das oberste Blattpaar entfernt. Das nennt man Entspitzen. Es kann etwas fummeliger sein oder recht einfach wie hier. Das hängt von der Dichte der aufeinanderfolgenden Blattpare ab. Hier sieht man deutlich: links nicht entspitzt, rechts schon. Und zwar genau bis oberhalb des nächsten Blattaustriebes. Bei den meisten Pflanzen kann man zum Entspitzen einfach Daumen und Zeigefinger ansetzen und die Triebspitze mit den Fingernägeln einfach entfernen.

Stecklinge im Frühjahr, also von Januar bis März, kann man sehr gut von der Obstbäumen und –Sträuchern schneiden. Ich habe hier erfolgreich welche von der Feige gemacht. Übrigens: Nicht ärgern wenn es mal doch nicht klappt. (Teil-)Ausschuss kann es schon geben. Beim Buchsbaum überlebten beispielsweise 15 von 20.

Wenn die Stecklinge übrigens mal ein paar Zentimeter gewachsen sind, dann werden sie vorsichtig entspitzt. Entspitzen heißt, dass man das obere Blattpaar ausknipst. Das fördert die Verzweigung. Und irgendwann im Frühjahr gibt es auch noch einen eigenen Topf und die kostenlos gewonnene neue Pflanze darf zu stattlicher Größe heranwachsen.

P.S. Was ich hier bei der Arbeit mit Stecklingen beschrieben habe, das ist die Pflanzenzucht aus Kopfstecklingen. Kopfstecklinge sind jene Pflanzenteile, die, wie der Name sagt, das Ende eines Triebes bilden. Man kann auch aus einem längeren Trieb gleich mehrere Stecklinge schneiden. Bestes Beispiel unter den geannten: Rose und Feige. Hier nimmt man dann wiederum einen jungen Austrieb und teilt diesen in mehrere Stecklinge.

Das untere Ende ist wiederum unter einem Blattaustrieb in einem etwa 45-Grad-Winkel geschnitten. Das obere Ende wird über einem Blattaustrieb geschnitten. Dann etwas flacher, aber auch noch schräg. So kann Wasser ablaufen und der Steckling ist weniger krankheitsanfällig. Und für den nächsten Steckling dieses Austriebs gilt: Das verbleibende Stück Pflanze bis zum nächsten Blattaustrieb ist Abfall. Ab da beginnt der nächste Steckling.

Text & Fotos: © Jürgen Rösemeier-Buhmann

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4 Antworten

  1. Daniel
    | Antworten

    Hallo Jürgen,
    danke für deinen informativen Artikel zum Thema Stecklingsvermehrung. Ich möchte meinen Feigenbaum sowie einen Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) vermehren. In der Literatur finde ich zu beiden sowohl das Frühjahr (April/Mai) als auch den Herbst (Sept-Nov) als empfohlene Zeitpunkte. Da ich bei beiden Bäumen nicht beliebig viele Versuche habe, wäre ich für einen Tipp dankbar. Und welches Bewurzelungsmittel kannst du empfehlen? In Foren wird oft von CLONEX gesprochen, das inzwischen auch in Deutschland erhältlich ist. Herzliche Grüße! Daniel

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Hallo Daniel, sorry, dass ich erst jetzt antworte! Also bei der Feige habe ich die besten Erfahrungen gemacht, wenn der Baum in der Winterruhe ist. In den letzten Jahren habe ich daher so ab Februar Stecklinge geschnitten. Und kühl, aber hell aufgestellt. Aber: mir sind an unserer neuen Feige (neuer Garten, 2 m hohe Feige im Sommer gekauft, in den Carport geräumt und wird erst im Frühjahr gepflanzt) im November bei Umräumaktionen ein Zweig abgebrochen. Es war auch da kalt genug und die Winterpause war bereits eingetreten. Das erkennt man, wenn kein weißlicher Saft mehr austritt. Ich habe die beiden Stecklinge angeschnitten und warm aufgestellt. Lediglich in ein Wasserglas, steht in der Küche. Alle paar Tage wird das Wasser gewechselt und, siehe da, sie haben beide ganz zarte Wurzeln gebildet. Soll heißen, Erde oder Wasser – es geht wirklich beides. Sogar ohne Bewurzelungspulver. Auch wenn das die Quote sicher erhöht. Hier gibt es ein auf Algen basierendes Mittel von Neudorff.

      Zum Küstenmammutbaum könnte ich jetzt nur Mutmaßungen anstellen, leider.

      Viel Erfolg und Spaß bei der Vermehrung! Jürgen

  2. Carola
    | Antworten

    Tolle Seite! Schöner Artikel und gut erklärt. Wäre schön, wenn das mit dem Anspitzen genau so gut erklärt werden würde, musste ich auf ner anderen Seite nachlesen.

    LG Carola

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Danke Carola für das liebe Feedback! Sorry, dachte, dass das klar genug erklärt ist, das mit dem Entspitzen. Aber ich lade gleich noch ein Bild, welches das Ganze vielleicht etwas anschaulicher darstellt. 🙂 LG, Jürgen

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