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Tod aus dem Gemüsebeet oder warum Zucchini, Kürbis, Gurke auch mal bitter schmecken

Giftiges Gemüse, tödliche Zucchini, bittere Gurke: Eine Erklärung.
Eine Zucchini tödlich? In Extremfällen scheint das, wie die aktuell tragische Geschichte beweist, zu passieren. Warum das soweit kam und die Ursache sonst keine Gefahr darstellt, eine Erklärung.

Habt Ihr das auch schon gelesen? Zucchini tötet Hobbygärtner! Was da derzeit in den Medien und den sozialen Netzwerken kursiert und diskutiert wird, reicht bis zur Verschwörungstheorie der Saatgutgiganten. Dabei ist dies ein völlig natürlicher Vorgang und der verantwortliche Stoff heißt Cucurbitacin, welcher das Kürbisgewächs übrigens vor Fraßfeinden schützen soll. Warum Kürbis, Zucchini oder Gurke auch mal bitter sein kann und für den Verzehr ungeeignet. Und die Tatsache, dass ein schöner Kürbis, man nennt ihn auch Zierkürbis, auch mal essbar ist.

Ui, wie gruselig war die Nachricht „79-jähriger Gärtner stirbt nach Verzehr einer Zucchini!“. Lauert jetzt in unserem Gemüsebeet und dem Topfgarten der Tod?! Kurze Antwort: Nein! Längere? Nein, aber Kürbis, Zucchini und Gurke – alle gehören botanisch in eine Familie, sind also irgendwie miteinander verwandt – können manchmal mehr oder weniger bitter schmecken. Verantwortlich hierfür ist das Cucurbitacin oder Cucurbitacine. Das sind Bitterstoffe, die eine mehr oder minder stark toxische Wirkung haben. Sie verursachen Übelkeit, Magenbeschwerden und Erbrechen. Von dem geschilderten, leider sehr tragischen und tödlichen Fall, findet man ansonsten keinerlei Hinweise.

Woher kommt das aber nun, wann wird das geliebte Gartengemüse bitter oder gar gesundheitsschädlich? Das hat ein paar Gründe.

Wenn Kürbis, Zucchini und Gurke bitter und ungenießbar werden

Meine Frau erntete nach der ersten Hitzewelle eine toll gewachsene Gurke. Freudig wurde sie angeschnitten und, wie so oft, der Anschnitt gleich verspeist. In diesem Fall: Sofort wieder ausgespuckt. Warum? Die Gurke war unheimlich bitter! Woran liegt das? Also, die heute kultivierten Gurken, gleiches gilt für Kürbis und Zucchini, wurde das Bittere weggezüchtet. Wahrscheinlich gab es mal vor ewigen Zeiten auch essbare Sorten, die leicht bitter waren. Eben so, wie der Radicchio, der heute, dank Züchtung, meist immer weniger Bitterstoffe enthält. Wobei dessen Bitterstoffe, im Vergleich zu dem ungesunden Cucurbitacin, gesundheitsförderlich sind. Die Erklärung, warum ausgerechnet diese, und nur diese eine Gurke aus dem Garten bitter war, ist einfach: Gießstress durch die extreme Hitze. So wie wir Menschen manchmal „sauer“ werden, wenn was nicht passt, so wurde dieses Gemüse eben bitter. Bei der Gurke kann dies nur im Anschnitt sitzen oder in der Schale. Hat man Pech, dann leider im ganzen Gemüse. Schade, aber die ist dann nur noch für den Kompost geeignet. Ob das sogar den Schnecken nicht schmeckt, das ist nicht überliefert. Tipp zum Gurken schälen: Von der Blüte Richtung Stiel schälen, sonst kann die Gurke auch noch bitter werden beziehungsweise das Bittere der Schale auf das Gemüse übergehen. Wobei die eignen aus dem (Topf-)Garten bei uns nur dann geschält werden, wenn es einen ganz besonderen Gurkensalat nach Omas Rezept gibt.

Gurke bitter, Zucchini tödlich, Gemüse giftig: Von Gießstress, Curcurbitacin und mehr
Auch eine Gurke kann man bitter sein. Teilweise oder ganz. Das richtige Schälen kann helfen, aber auch, wenn man Gießstress vermeidet.

Eben genauso mag das bei dem Hobbygärtner gewesen sein. Denn genauso kann das mit dem Kürbis oder der Zucchini passieren. Leider endete es in diesem Fall sehr tragisch. Aber, und daher die Reaktion meiner Frau, das schmeckt man, und zwar sehr deutlich. Warum die Zucchini trotzdem gegessen wurde, hm…

Ein anderer dafür, dass eine Gurke, ein Kürbis oder eben eine Zucchini bitter wird, das kann daran liegen, dass man wirklich ungeniessbare Zierkürbisse in der Nähe anbaut. Die fleißigen Bienen, meist eher die dicken runden Hummeln, kommen vorbei, bestäuben erst das eine, dann das andere Kürbisgewächs, schwupps, wird das Ergebnis äußerst bitter. Dies kann sein, ist wohl aber eher selten, kann aber auch passieren, wenn der Gartennachbar Zierkürbisse hat.

Ein weiterer Grund dafür, dass das Gemüse bitter wird, der kann in einer Rückmutation liegen. Warum auch immer, kommen Uraltmerkmale jetzt und unerwartet aus der Vergangenheit wieder durch. Das Gemüse kann dann (wieder, wie vor gefühlten Urzeiten) bitter werden. Da war dann mal ein Vorfahre ganz verbittert und das kommt dann Generationen später irgendwann wieder raus. Unwahrscheinlich aber gibt es wohl mal.

Zierkürbis ist bitter und ungeniessbar? Nicht immer

Zierkürbis essbar? Ja, wenn es zum Beispiel eine Bischofsmütze ist. Wann man sie essen kann, wann nicht
Bestes Beispiel, wenn auch die Ausnahme: Diesser Zierkürbis ist essbar. Er heißt Bischofsmütze oder Türkenturban und wächst bei uns im Garten. Nicht essbare Kürbisse enthalten Cucurbitacin, was man aber mit einer kleinen Probe sofort schmeckt.

Wie oft habe ich das jetzt gelesen, „Zierkürbisse sind ungeniessbar“. Richtig ist, die allermeisten ungewöhnlich geformten Kürbisse sind es, aufgrund des oben genannten Cucurbitacin. Aber: Nicht jeder Kürbis der schön aussieht, daher sich gut zur Zierde macht, muss zwangsläufig ungeniessbar sein. Das beste Beispiel für eine eher lustige Form, ist der eher bekannte Patisson, der Sommerkürbis, der wie ein Ufo aussieht. Ungewöhnlich geformt, aber sehr fein im Geschmack. Wer indes kaum als essbar bekannt ist, aber oft als Zierkürbis verkauft wird, das ist die Bischofsmütze, auch Türkenturban genannt. Auch er ist interessant geformt mit diesen Höckern und mit meist einer tollen Färbung. Tatsächlich ist er aber essbar, ja, er schmeckt sogar sehr, sehr gut. Leider ist er eher weniger bekannt, in Zeiten, in denen es lediglich Hokkaido, allenfalls noch Butternut und mit etwas Glück Muskatkürbis im Handel zu kaufen gibt.

Und dann gibt es noch den Fall, selbst bei gekauftem Saatgut, dass nicht das herauskommt, was man sich kaufte. Sei es direkt als Saatgut von einem Hersteller oder eben vom Kürbis, den man letzten Winter selbst geschlachtet hat und daraus Samen gewonnen hat. Warum ist das aber so? Ganz einfach, weil, wie bereits oben beschrieben, sich eine Biene oder Hummel den Scherz erlaubte, mal von einer zur anderen Sorte zu fliegen. So ist eben die Natur. Sei es mit den ungesunden Bitterstoffen, mit ungewöhnlichen Formen oder eben mit seltsamen Kreuzungen. Die Entstehung der Bitterstofffe können wir vielleicht noch teilweise beeinflussen. Was uns in dem Fall von nur einer bitteren Gurke gelangt. Den Rest übernimmt allerdings die Natur. Und das ist letztlich gut so.

Und nun, was machen mit „bitter und gesundheitsschädlich“? Im Zweifelsfall einfach probieren. Nur ein winziges Stück reicht, zum Beispiel, wenn man sich bei der Kürbissorte nicht sicher ist. Wie beim Joghurt im Kühlschrank der mal wieder abgelaufen ist, so sagt einem der Gaumen auch beim Kürbis, der Gurke oder leider auch mal bei einer Zucchini, ob man den nun essen kann oder nicht. Und, läuft es ganz doof, dann merkt man das spätestens auf dem Teller. Und isst garantiert nicht weiter. Was die Frau des leider verstorbenen Mannes wohl auch gemacht hat…

Bei Fragen, einfach wie immer melden über redaktion at muhvie.de oder die Facebookseite.

Text & Fotos: (c) Jürgen Rösemeier-Buhmann

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4 Antworten

  1. Andi
    | Antworten

    Wenn ein Zierkürbispollen die Blüte eines Speisekürbises befruchtet dann kann man diesen Kürbis selbstverständlich essen so lange er nicht bitter schmeckt.
    Erst die Früchte die aus den Samen dieser neu entstandenen F1 Kreuzung gezogen werden, können problematisch werden.
    Laut Mendel ist der parallele Anbau also unbedenklich nur die Nachkommen nicht.

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Dank Dir für den Einblick in die Vererbungslehre 🙂 Und probieren ist nach wie vor einfach die allerbeste Methode, um ganz sicher zu sein.

  2. Elsner
    | Antworten

    Wenn man zierkürbise und Kürbise auf ein Beet anbaut, kan man den Kürbis essen ?

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Sorry, war im kurzen Arbeitsurlaub… Prinzipiell schon. Einfach jeden der essbaren Kürbisse mal probieren. Schmeckt der essbare Kürbis nicht bitter, dann hat er sich auch nicht mit einem (nicht essbaren) Zierkürbis gekreuzt. Denn trotz der eher ungünstigen Kombination heißt der gemeinsame Anbau nicht, dass sich beide gekreuzt haben. Nur wenn ein Kürbis bitter schmeckt, ist er nicht essbar. Ich habe auch mal vor Jahren Zierkürbis in der Nähe von Hokkaido angebaut, da passierte gar nichts. Also: Einfach probieren, das schmeckt man schon. 🙂

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