Urban Gardening auf dem Balkon – Permakultur im Trend

Urban Gardening und Permakultur auf dem Balkon
Ein Traum vom Urban Gardening in Mailand: Der bosco verticale, der vertikale Wald, ist ein Hochhaus, in dem jede Wohnung eine besonders große, üppig bepflanzte Terrasse hat. Ein wahrer Wohntraum. Foto: Pixabay.com/Free-Photos

Der Begriff Urban Gardening wird in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche für einen guten Umgang mit dem Planeten demonstrieren, immer häufiger genutzt. Im Prinzip geht es darum, Geranien und Petunien vom Balkon zu verbannen und dafür Wildblumen, Kräuter und Gemüse anzupflanzen. Dass das ebenfalls auf sehr begrenztem Raum möglich ist, zeigen viele Beispiele von Menschen, die bereits auf einen Selbstversorger-Naturbalkon setzen. Wie man einen solchen selbst anlegt, wird in diesem Artikel verraten.

Nicht unbedingt etwas für Puristen

Es ist für viele nicht immer leicht. Sie lieben auf der einen Seite das Stadtleben, das einfach viele Annehmlichkeiten zu bieten hat. Andererseits will man selbstverständlich nicht auf das Grün im privaten Leben verzichten. Ein eigener Garten wäre da die beste Lösung. Allerdings haben die wenigsten das Glück, mitten in der Großstadt über eine solchen verfügen zu können. Eine Alternative dazu, stellen dann Gemeinschaftsgärten dar. Hier kann das „Urban Gardening“ auf einem kleinen ausgewählten Stück Land selbst betrieben werden. Zudem leistet man als Nutzer einen positiven Beitrag. So zeigt etwa eine Studie, wie Hausgärten und Balkone entsprechend angelegt, helfen, die Wildbienen zu retten.

Der Gedanke kann allerdings noch weiter gehen. Wer an der Permakultur interessiert ist, kann etwa überlegen, wie er den Balkon nach dem Vorbild der Natur gestaltet. Dabei steht die Kreation eines dauerhaft funktionierenden Systems im Mittelpunkt. Hinzukommt, dass sich Letzteres weitestgehend selbst erhält ohne, dass viel Zutun nötig wäre. Dass das Ganze nicht nur nützlich, sondern ebenso schön sein kann, zeigen bei einer kurzen Internetsuche viele Beispiele. Mit dem „Urban Gardening“ und der Kombination Permakultur wird der eigene Balkon zum Rückzugsort, an dem man entspannt und Tiere beobachtet. Großer Bonus, falls das gewollt ist, die Ernte von eigenen Lebensmitteln.

Puristen können einem Balkon, auf dem Permakultur betrieben wird, freilich nur wenig abgewinnen. Denn ab von adäquat gestutzten Rasenflächen und von den Thujen geschützter Privatsphäre wirkt erst einmal alles recht willkürlich und durcheinander. Auch und gerade auf dem Balkon. Allerdings sind die verschiedenen Elemente gut durchdacht und erfüllen bei genauerer Betrachtung eine Funktion. Denn der Permakultur geht es nicht um die „Schönheit“ auf den ersten Blick. Im Fokus stehen viel mehr der Nutzen und das damit verbundene System. Einzelne Elemente reichen oftmals schon, um das eigenen Refugium sinnvoll zu erweitern. Und wer es gerne etwas schattiger möchte, der kann sich einfach ein Sonnenschirm am Balkongeländer installieren, so bleibt genügend Fläche, die mit Pflanzen möglichst dicht werden kann.

Vielfalt zahlt sich aus

Eine sehr einfache Möglichkeit das „Urban Gardening“ auf dem heimischen Balkon umzusetzen, sind Wildblumen. Mit diesen heimischen Pflanzen wird einfach die klassische Balkonbepflanzung ersetzt. Denn Letzteres sieht vielleicht hübsch aus, ist aber entsprechend pflegebedürftig und bringt, außer dem Anblick, keinen großen ökologischen Mehrwert. Hinzukommt, dass Insekten zwar von ihrem Duft angelockt werden – sonst gehen sie allerdings leer aus.

Wildblumen hingegen sind völlig anspruchslos. Zudem zeigen sie sich im Vergleich extrem winterhart. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass sie sich leicht vermehren lassen. Gibt es mehrere Parteien im Haus, können sie sogar ohne große Probleme untereinander weitergegeben und getauscht werden. Ebenso verzeihen sie viel. Wer einige Tage unterwegs ist und nicht zum Gießen kommt, muss sich nicht gleich Sorgen machen. Darüber hinaus bieten die Wildblumen einer Vielzahl von Insekten Nahrung und Unterschlupf. Gerade im Spätherbst oder im Frühling bietet ein Arrangement mit diesen Pflanzen eine lebendige Natur direkt auf dem Balkon.

In diesem Kontext sind ebenfalls typische mediterrane Kräuter wie Lavendel, Salbei, Rosmarin, Thymian oder (Strauch-)Basilikum eine Option, nicht zu vergessen, Schnittlauch und Petersilie. Diese sorgen nicht nur für eine duftende Blumenwiese auf dem Balkon, sondern bieten einen tatsächlichen Mehrwert in der Küche. Schließlich lassen sie sich allesamt für die leckersten Gerichte nutzen. In der Nähe des Küchenfensters aufgestellt, sind sie immer greifbar. Am Boden bleibt etwas Platz, dieser kann beispielsweise für Pflücksalate genutzt werden, die sich im Tomatenkübel denkbar wohlfühlen. In der humusreichen Erde gedeihen zudem Basilikum oder Rauke sehr gut.

Auf was es ankommt

Grundsätzlich sollte im Besonderen auf die genutzte Erde geachtet werden. Günstige Erden aus dem Baumarkt oder im Angebot beim Lebensmittelhändler um die Ecke sind zwar preislich interessant, bieten aber meist künstlich aufgedüngte, sehr torflastige Substrate. Langlebige Erde hingegen speichert Wasser sowie Nährstoffe und hält selbst auf dem Balkon lange. Wer verantwortungsbewusst handelt, achtet darauf, dass diese Erde torffrei ist. Sie verkompaktet auch längst nicht so wie die torfhaltige Erde und kann Jahr für Jahr mit Naturdüngern und Kompost wieder aufgewertet werden. Zudem sollten bevorzugt Jungpflanzen in Bioqualität gekauft werden, wenn man sich (anfangs) die eigene Aussaat noch nicht zutraut.

Abschließend noch einmal etwas zu den Blühpflanzen, die gerne heimisch sein dürfen. Dabei handelt es sich im Regelfall um Stauden (aber nicht nur). Als typische Wildblumen gelten hierzulande Blutweiderich, Karthäuser- oder Pechnelke, Rainfarn, Flocken- und Glockenblumen, Malven und verschiedene Skabiosen, Ringelblumen, Acker-Rittersporn, Konrnblumen, Natternkopf, Klatschmohn oder Kornrade. Natürlich kann man diese kunterbunte heimische Mischung auch mit sogenannten nichtheimischen Pflanzen auffüllen. Denn: Auch hier gibt es jede Menge, die als Nahrungspflanzen für Wildbiene, Humel, Falter und Co. dienen. Und sie vertragen das zunehmend heißer werdende Klima bestens.

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