Home » Home » Garten & Balkon » Winter » Nicht nur im Winter: Vögel richtig füttern und Artenvielfalt fördern

Nicht nur im Winter: Vögel richtig füttern und Artenvielfalt fördern

Vögel im Winter und ganzjährig richtig füttern
Vögel im Winter richtig füttern ist wichtig für das Überleben, ganzjährig fördert es den Arterhalt sagt Deutschlands führender Ornithologe. Prof. Peter Bertholdt. Rotkehlchen und Rotschwänzchen, Amseln, Blau- und Kohlmeisen, Spatzen, Grün-, Buch- und Distelfink, ab und an der Kleiber und Wildtauben freuen sich in unserem Garten jedenfalls über die Ganzjahresfütterung. Sie sind Saison- oder Dauergäste.

Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar – vielerorts sind sie rar geworden, genauso wie manch andere Vogelart. Der Grund: Die Vögel finden oft nicht mehr ausreichend Nahrung. Ist das Zufüttern im Winter oftmals überlebenswichtig, so ist es auch im Frühjahr, Sommer und Herbst sehr nachhaltig und sinnvoll Vögel zu füttern. Warum es den Vögeln hilft, wer die Weltmeister im Vogelschutz sind und was Deutschlands Vogelguru zum Vögelfüttern sagt.

 

Deutschland hat es einst erfunden, das Vögel füttern, um den Anblick zu genießen. Was vor über 100 Jahren mit unberührter Natur, chemiefreien Gärten und Ackerland, damit den vielen wertvollen Nahrungs-, Schutz- und Nistplätzen eigentlich gar nicht nötig war, ist heute mehr denn je ein Thema. Vögel im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon füttern.

 

Wildvögel wie Spatz, Kohl- oder Blaumeisen, Rotschwänzchen oder Rotkehlchen, Amseln und die vielen anderen Vogelarten in der Stadt und auf dem Land im Winter zu füttern, das machen zu Recht viele. Naturschutzverbände sagen zwar, dass es nicht unbedingt nötig wäre, manche sogar, es hätte nur pädagogischen Wert. Und dann machen sie im Sommer und Winter Vogelzählaktionen und wundern sich über zurückgehende, teils dramatisch sinkende, Vogelzahlen. Alleine unter den 15 häufigsten Vogelarten, die nach der Zählung der „Stunde der Gartenvögel“ der NABU aufgelistet werden, wurde bei 10 Arten ein teils dramatischer Rückgang beobachtet*.

 

Zwar zählen hier Laien an einem Wochenende lediglich eine Stunde was so in ihrem Garten umherflattert, aber es gibt eine Richtung an. Und diese geht bei den Vogelbeständen nach unten. So etwa beim Buchfink um 72 %, beim Grünfink 28 %. Eine Richtung, die  von professionell zählenden britischen Ornithologen bestätigt wird, die sei 1999 den UK Bird Report herausgeben und feststellen, dass einige Vogelarten in nur wenigen Jahren um bis zu 50 % und mehr zurückgehen. Das dies bei uns in Deutschland nicht viel anders ist zeigt die Tatsache, dass der Spatz seit einigen Jahren nur einen Schritt von der Roten Liste der gefährdeten Arten entfernt ist. Und von einem Mann namens Professor Berthold wird dieser Trend nur bestätigt. Mehr zu ihm gleich.

 

Vögel im Winter füttern fördert den Arterhalt

Gerade im Winter ist es überlebenswichtig, Vögel richtig und ausreichend zu füttern. Die Wildvogelhilfe rechnet vor am Beispiel der Blaumeise: Sie fliegt gerade im Winter bis zu 85 Prozent der hellen Tageszeit auf der Futtersuche umher. Der Grund: Hunger und das Ziel, genügend Energiereserven, um auch nachts seine etwa 40 Grad Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Denn eine kalte Nacht kostet den kleinen Vogel 10 bis 15 Prozent des Körpergewichtes. Tag für Tag. Von der Energie für die Vielfliegerei einmal ganz abgesehen. Gibt es hier keinen Nachschub, dann erlebt er den nächsten Morgen nicht. Und nicht anders geht es vielen weiteren Vogelarten. Professor Peter Berthold, der führende Ornithologe Deutschlands, berichtet in seinem Buch „Vögel füttern – aber richtig“ davon, dass in manchen Regionen ganze Populationen von Kleinvogelarten aufgrund des Futtermangels im Winter einfach wegsterben. Auch, weil es ihnen in wenig natürlichen Gärten und Kulturlandschaften an geeigneter Nahrung fehlt.

 

Wer die Vögel im Winter füttert, der sollte unbedingt an eine Vogeltränke denken. Hierzu reicht bereits ein Untertopf aus, erhöht aufgestellt (katzensicher) und regelmäßig gereinigt.

Warum die Ganzjahresfütterung so sinnvoll ist

Vögel richtig füttern im Winter und warum Ganzjahresfütterung nachhaltig ist.
Ansturm auf das Futtersilo XXL. DIe 12 Sitzplätze im Gartenrestaurant sind bei uns oft belegt.

Nicht nur im Winter ist es sehr sinnvoll, Vögel zu füttern, sondern auch im Frühling, im Sommer und im Herbst profitieren Vögel vielerorts von einer zusätzlichen Futtergabe, so der Ornithologe Berthold. Denn die Ganzjahresfütterung dient dem Arterhalt durch eine frühere Brutzeit, hat oftmals eine größere Eierzahl im Nest zur schönen Folge, möglich ist sogar eine Brut mehr im Jahr. Zudem gibt dies den Jungvögeln bessere Überlebenschancen, da die Eltern sich bei der Futtersuche mehr auf ihre Jungen konzentrieren können wie Berthold weiß.

 

Heute sind die Briten Vogelschützer Nummer eins, die Weltmeister in der Ganzjahresfütterung und die genannten Gründe für die Fütterung im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter sind dort Erfahrungs- und Beobachtungswerte aus dreißig Jahren. Wer einmal in einem britischen Garten-Center war, die Vogelfutter-Auswahl gesehen hat, ein Auge auf die schönen Vorgärten mit den Vogelfutterstellen geworfen und das sehr rege Treiben beobachtet hat, weiß um diese sinnvolle Vorliebe. Die Forscher sind sich einig, dass einige Vogelarten durch die Ganzjahresfütterung weniger dramatisch zurückgehen, sich einige sogar erholt hätten.

 

Die Vogel-Fütterung durchs ganze Jahr ist wirklich nachhaltig und auch der naturnahe der Gärtner profitiert davon. Es dient nicht nur dem Arterhalt, denn die angelockten Vögel sind natürliche Fressfeinde für allerlei pflanzenschädigende Insekten, welche sie trotz Fütterung sich dennoch holen, wie ich seit Jahren im eigenen Garten beobachte. Spatzen haben sich in der Vergangenheit erstaunlicherweise gleich in einer großen Gruppe über die Raupen des Buchsbaumzünslers hergemacht, Meisen picken Blattläuse, wenn sie nicht schon von Marienkäferlarven gefressen werden. Und die Amselkinder in ihrem noch nicht ausgefärbten Tarnkleid wurden von ihrer Mama zur Rosinenfutterstation auf den Balkon geführt, wonach es in den Vorgarten ging, um dort zwischen den Pflanzen fleißig nach Insekten zu scharren. Dies war so im alten Garten und im neuen ist es nicht anders.

 

Und, eine Beobachtung im neuen Garten: Angelockte Spatzen besiedelten unseren Ahorn. Der ist ja mal gerne sehr verlaust. Das rief wiederum Wespen auf den Plan. So viele, dass der Baum zeitweise wie ein Bienennest brummte. Und was machen Herr und Frau Spatz? Die waren nur allzu begeistert mir, dem Allergiker gegen Wespenstiche, die gedulteten aber nicht gerade geliebten Fluginsekten zu futtern. Übrigens zusammen mit Hornissen. Ein nachhaltiger Kreislauf. Trotz Ganzjahresfütterung.

Und braucht es noch ein Argument? Aktuell werden 118 der 248 als heimisch geltenden Brutvogelarten als gefährdet auf der Roten Liste.

Vögel füttern ganzjährig: Was ist im Winter optimal, was das ganze Jahr?

Auf jeden Fall sollte beachtet werden, dass das Vogelfuter Ambrosia frei ist. Denn die Samen sind häufig in Vogelfutter zu finden. Doch wenn Ambrosiasamen auskeimen, entsteht das hoch allergene Unkraut, die Beifußblättrige Ambrosia.

Vögel richtig füttern im Winter und warum Ganzjahresfütterung nachhaltig ist.
Eine gute Mischung ist essentiell. Diese hier ist geschält, gehackte Erdnüsse kommen als Ergänzung noch hinein und Rosinen gibt es extra. Die Mischung ist garantiert Ambrosia frei.

Es gibt für verschiedene Vogelarten spezielles Futter. Grundsätzlich wird besonders im Winter eine Körnermischung gerne angenommen, wobei die Meisen scharf auf Erdnüsse sind, die Amseln, aber auch Spatzen, sehr gerne Rosinen picken. Diese sollten dann ungeschwefelt sein. Letzteres ist übrigens auch geeignet, um auf dem Balkongarten Vögel zu füttern. Dies macht kein Schmutz, sollte dies insbesondere in einem Mehrfamilienhaus problematisch sein. Wenig Schmutz durch Schalen machen auch geschälte Vogelfuttermischungen. Sie sind zwar teurer, dafür ist in der Masse eben auch keine Schale mehr. Nachteil: Kann bei besonders feuchtem Wetter auch mal schimmlig werden. Regelmäßige Kontrolle und reinigen der Futterstelle ist dann nötig. Professor Berthold rät zudem zu Fettknödeln, besser bekannt unter Meisenknödel. Diese werden allerdings nicht nur von Meisen gepickt, denn der Energiegehalt kommt bei vielen gefiederten Gartenfreunden an. Man kann sie, so der Ornithologe, übrigens das ganze Jahr füttern, da die Vögel sich immer über ein Mehr an Energie freuen. Gerade in der Aufzucht suchen zahlreiche Vogelarten den ganzen Tag Insekten. Die Eltern fressen von den Knödeln oder Futtermischungen und haben hierdurch mehr Energie, um die hungrigen Schnäbel im Nest zu füllen.

 

Vögel füttern im Winter und ganzjährig 3 600
Tipp nicht nur für den Balkongarten: Hier habe ich Abfallbretter zusammengeschraubt, einen leicht zu reinigenden Plastikuntertopf mit einer Schraube fixiert. Absichtlich ist die Konstrukion etwas schräg. Vorne im Untertopf sind zwei Löcher, hier kann Regenwasser ablaufen. Nicht nur die Amseln lieben die tägliche Ration Rosinen, die im Winter um Haferflocken ergänzt wird. Im Frühsommer bringen die Amseln sogar ihre putzigen Jungen, die nach etwas naschen, im Vorgarten Insekten picken.

Wer regelmäßig Vögel füttert wird bald mehr Vögel beobachten können. Sie wissen dann auch zuverlässig, wo sie etwas bekommen und vermeiden damit vor allem im Winter eine energieraubende Futtersuche. Mit ein wenig Glück können vielleicht schon nach einem Jahr Amseln, Grün-, Buch- oder Distelfinken, Kohl- und Blaumeisen und seltenere Vogelarten als Saison- oder Dauergäste im Garten oder auf dem Balkon begrüßt werden. Zudem profitiert jeder von dem kleinen Nebeneffekt, das fröhliche Zwitschern zu genießen und trägt etwas zur Artenvielfalt und der Biodiversität bei.

 

Zudem füttern wir noch zusätzlich Erdnüsse (von Meisen geliebt und es gibt hierfür spezielle Erdnuss-Spender in stabiler Metallausführung), Rosinen (Amseln und Spatzen fahren darauf ab), getrocknete Mehlwürmer (seitdem ist der Hausrotschwanz Dauergast), Sonnenblumenkerne (mögen viele Vogelarten; davon ernährte sich mal die Besuchertaube aus Frankreich, die 2 x zu uns zu Besuch kam) und Haferflocken.

 

Generell sollte man allerdings auf die Herkunft der Wildvogelfuttermischung achten. Vivara ist beispielsweise ein guter und spezialisierter Anbieter (www.vivara.de oder das Banner bei mir auf der Seite nutzen), aber auch andere Hersteller bieten gutes (Bio-)Vogelfutter an.

Naturnah: Was Vögeln im Garten sonst noch hilft

Ein Naturgarten ist der schönste Lebensraum für die zwitschernden Gartenhelfer, genauso wie für Insekten, Amphibien oder Igel. Eine Wasserstelle ist sehr wichtig, und zwar zu jeder Jahreszeit, heimische Beerensträucher und Hecken als Ruhe- wie Futterplatz. Zudem: der Verzicht auf Gifte aller Art. Gerade letztere sind in einem gesunden Naturgarten gar nicht nötig. Es reguliert sich hier alles von selbst, im Zweifelsfall helfen ganz einfache, natürliche Pflegemittel im Garten und auf dem Balkon. Zudem sind, neben den Sträuchern als Nistmöglichkeiten, die richtigen Vogelnisthäuschen wichtig. Denn fehlende Nistmöglichkeiten sind ein weiterer Grund für den Rückgang vieler Vogelarten. Der Spatz als prominentes Beispiel baute früher gerne im Dachstuhl oder anderen Lücken ehemals zugiger Wohnhäuser. Gedämmte Häuser lassen hier aber keinen Raum mehr, um einen Nistplatz zu finden.

Vögel im Garten und auf Balkon richtig füttern mit selbstgemachtem Fettfutter

Vögel füttern im Winter: Apfel
Ein Basteltipp für ein Apfelhalter an den man wunderbar auch Meisenknöbel oder Nusstangen hängen kann. 3 gleichgroße Asstücke, in deren Mitte ein Apfel passt, mit Gartenschnur gut zusammen gebunden, zwei Löcher mittig (im Bild die beiden oberen Äste) durchbohren und ein Halter durchstecken. Hier: Ein Schaschlikspieß. Fertig ist der Apfel am Stiel für gefiederte Obstfans. Manchmal hilft es, den Apfel anzuschneiden, dann wird er besser angenommen. Tipp: Auf Schimmel in der feuchten Jahreszeit acht und den Apfel gegebenenfalls austauschen.

Die im Handel erhältlichen Fettfutterblöcke – mit und ohne Früchte – oder Meisenknödel mit zusätzlichen Früchten und Insekten (ohne Netz)- gerne aus dem Knödelspender – kann man ganz einfach selbst herstellen. Geschmolzenes Fett – Rindertalg oder Kokosfett –, Körner, Haferflocken, Erdnüsse und Rosinen im Verhältnis Fett zu Futter 1:1 mischen und in kleine Blumentöpfe, Untertöpfe oder halbe Kokosnussschalen gießen. Etwas ausgehärtet kann man auch wunderbar eigene Meisenknödel formen und diese in Zwiebel- oder Kartoffelnetze einwickeln. Katzensicher aufgestellt oder gehängt, fertig ist das Energiefutter für unsere Wintervögel. Tipps: etwas Pflanzenöl macht das Fett weniger brüchig und bevor das Fett hart wird, einfach eine stabile Schnur in das noch flüssige Fett als Aufhänger drücken, in umgedreht aufgehängten Blumentöpfen helfen zudem ein, zwei Zweige als Haltestangen.

 

Ich jedenfalls erfreue mich an der in den letzten Jahren gewachsenen Vielfalt und dem freudigen Gezwitscher das ganze Jahr hindurch. Trotz Katzen im Garten. Das verwendete Silo hängt an einer übersichtlichen Stelle und irgendwie hat man sich mit dem Katzenvolk arrangiert. Selbst jene Vögel, die neben dem Futterangebot fleißig nach Insekten in Sträuchern, Stauden oder am Boden picken…

Bei Fragen, einfach melden unter redaktion (at) muhvie.de.

Text & Fotos (c) Jürgen Rösemeier-Buhmann

*Info: Den Text habe ich bereits 2014 verfasst, als Wissenschaftler noch nicht von einem massiven Vogelsterben sprachen, genannter Professor aber bereits eindringlich warnte.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Print Friendly, PDF & Email

2 Antworten

  1. Reiner
    | Antworten

    Hallo,
    wo kann man denn das Futtersilo XXL kaufen?
    Danke
    Reiner

    • Jürgen Rösemeier-Buhmann
      | Antworten

      Hallo Reiner,
      das Futtersilo ist von der Firma Gardman. Ich habe es allerdings im vogelverrückten Großbritannien gekauft, hier aber schon über die Bildersuchfunktion im Netz gefunden. Vielleicht gibt es aber auch einen englischen Shop der nach Deutschland liefert…? Und: Die Firma Woodstream hat ähnlich große Futterspender, noch dazu sehr massiv. Viel Erfolg bei der Suche!
      Jürgen

Deine Gedanken zu diesem Thema