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Paprika und Chili säen: Wann, Schritt-für-Schritt-Anleitung und Pflege

Paprika und Chili säen ist wirklich einfach. Und die Auswahl an Samen ist riesengroß, im Gegensatz zu den fertig gezogenen Pflänzchen aus dem Handel. Also, wie bei allen Gemüsesorten. Die Aussaat beginnt idealerweise recht früh – Januar bis spätestens März, ich habe am 4. Advent gesät –, da die Kulturzeit von Paprika- und Chilipflanzen vergleichsweise lange ist. Was nötig ist, wie es ganz einfach geht und was zu beachten ist. Eine kleine Anleitung zum Paprika- und Chili säen. Auch Tipps zum Auspflanzen, der späteren Pflege und wie man Chili und Paprika überwintert.

Paprika und Chili selber ziehen aus Samen Anleitung und Anbautipps
Paprika und Chili selber ziehen, so einfach wie genial. Wer zeitig damit anfängt, kann auch zeitiger ernten. Das Foto hier ist von meinen Bio-Topfpaprika aus dem vergangenen August. Chili waren da teilweise auch bereits reif. Von beiden wurden Anfang September einige getrocknet und zu Pulver vermahlen. Kein gekauftes Paprikapulver schmeckt so fruchtig-gut, das Chilipulver hat richtig Power und beides würzt bis zur nächsten Ernte viele Speisen. Ab unter 10 Grad Nachttemperatur darf die empfindliche Schönheit auf der Fensterbank Platz nehmen.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, und der Gärtner auch. Man kann zwar aufgrund der ungünstigen Lichtbedingungen gleich zum Anfang des Jahres – oder wie bei mir kurz vor Weihnachten – nicht sonderlich Vieles aussäen. Wenn es wirklich hell ist und die Samen zum Keimen 20 bis 25 Grad haben, danach kühler stehen, Chili und Paprika schon. Denn: Es dauert bis sie mal Blüten ansetzen und bis zur Vollreife der Schoten dauert es nochmals etwa 90 Tage.

Passt das Licht partout nicht in den eigenen 4 Wänden, dann empfehle ich Pflanzenlampen für die Anzucht von Chili und Paprika (aber auch Auberginen oder Tomaten). In meinem Beitrag finden sich auch Schreibtischlampen, die ich in der Praxis getest habe.

Was ist nötig, um Paprika und Chili zu säen?

Zum Paprika und Chili säen sind selbstredend Samen nötig. Hierzu würde ich als Quelle keine normale Supermarkt-Paprika oder –Chili empfehlen, da man die Ursprungspflanze nicht kennt. Das könnte dann eine F1-Hybride sein, die einfach erklärt, in der 2. Fruchtgeneration nicht mehr die Eigenschaften der ersten Früchte hat. Mit einer Bio-Paprika oder –Chili kann man es versuchen. Auf der sicheren Seite ist man mit gekauften Samen. Zumal hier die Auswahl wirklich großartig ist.  Online gekauft ist die Auswahl am Größten.

Neben den Samen benötigt man dann noch Anzuchtschalen. Empfehlenswert ist ein Zimmergewächshaus mit Deckel(siehe Bildergalerie; in verschiedenen Größen erhältlich), da hierin ein optimales, feucht-warmes Mikroklima herrscht. Die halten Jahre.

Dann gute Aussaaterde, liebend gerne torffrei wie die Aussaaterde von Neudorff. Diese ist stets mager, also nährstoffarm, damit die Pflanzen schöne und kräftige Wurzeln bilden. In normaler Pflanz- oder Kübelerde wären zu viele Nährstoffe. Die Samen würden keimen, ordentlich nach oben wachsen, dann aber wenig Wurzeln bilden. Dies gilt für alle frühe Anzuchten im Haus.

Ausnahmen bei der Aussaat: Spät zu sehende und rasch wachsende Zucchini und Gurken. Die kommen gleich in größere Töpfe mit ganz normaler Erde. Gleiches mache ich mit beispielsweise vorgezogenen Salaten, Fenchel und Co. die ich über den Sommer draußen vorziehe. Nach meinen Tests macht die Erde hier keinen Unterschied.

Schließlich sind noch Aussaat- oder Anzuchttöpfe nötig. 5 – 6 cm Größe ist optimal, kleinere haben sich für mich nicht bewährt und runde Töpfe sind unpraktisch, da sie vergleichsweise viel Platz benötigen und nicht so standhaft sind. Tipp: Diese torffreie Pflanztöpfe, viereckig, 5 cm, 144 Stück (die Großpackung lohnt sich auch für Balkongärtner. Im Zweifelsfall kann man die Pflanztöpfe in den kommenden Jahren auch noch verwenden und sie sind für praktisch alle Aussaaten geeignet).Hier ein Tipp: Ich lese regelmäßig in Rezensionen und Gartengruppen „Hilfe, keine Anzuchttöpfe schimmeln!“. Ja, das können sie mal. Das kommt sehr gerne und gerade in Zimmergewächshäusern mit Deckel und damit einem feucht-warmen Klima vor. Hier heißt es: Deckel ein paar Tge herunternehmen und die Anzuchttöpfe möglichst (aber nicht ganz! wenn noch nichts aus der Erde schaut) antrocknen lassen. Dann verschwindet der Schimmel auch wieder. Den Pflanzen hat das bei mir noch nie geschadet.

Man kann alternativ auch direkt in eine flache, mit Erde befüllte Schale – oder andere Gefäße – säen, dann steht allerdings später noch das Pikieren an. Zumal viele dazu neigen, in die Schalen viel zu viele Samen zu geben.

Alternativen sind Quelltöpfe aus Kokos. Es gibt auch sogenannte Kokoserde. In Wahrheit ist dieses Produkt, wie die Quelltöpfe, einfach nur Kokosfaser. Ich persönlich mag beides nicht, denn in Anzuchterde erscheint mir der Wuchs der kleinen Pflanzen besser.

Auch sehr angesagt: Selbstgedrehte Anzuchttöpfe aus Zeitungspapier. Meine Meinung (und ich habe sie 2 Jahre getestet): Machen richtig viel Arbeit, die Pflanzen schaffen es kaum, ihre Wurzeln durch das störrische Zeitungspapier zu schieben, sie schimmeln schnell und lösen sich in der Erde praktisch nicht auf. Zudem weiß ich nicht, was in dieser Druckfarbe enthalten ist? Früher war wohl mal Blei drin; ist das nach wie vor so? Zumal sie nicht zu dünn sein dürfen un auch nicht zu dick. Dünne „Zeitungstöpfe fallen schnell auseinander, zu dick kommen die Wurzeln nicht durch. Und dann gibt es da noch die Eierkartons. Aber die schimmeln nun wirklich schnell und das Material ist so dich und fest, dass da kein Pflänzchen durchwurzelt. Puhlt man sie dann zum weiterpflanzen aus den einzelnen Eihaltern heraus, werden unter Umständen die Wurzeln verletzt. Beides klingt nach nachhaltigen Lösungen, wirklich proaktikabel ist es nicht und für das Pflanzenwachstum auch nich die beste Wahl.

Und mein Trick, der aus dem Profigartenbau kommt: Vermiculit oder Vermiculite zum Abdecken der Saat. Das natürliche Silikat speichert zum einen Feuchtigkeit, zum anderen schimmelt es nicht. Vermiculit ist übrigens auch gut für Topfgärtner. Etwas hiervon in die Erde geben und Topf wie Balkonkasten kann viel besser Wasser speichern.

Ein kleines Problem ist das wohldosierte Gießen der Anzucht. Hier habe ich vor Jahren mal etwas entdeckt: Flaschengießaufsätze für Kunststoffflaschen (siehe Bildergalerie). Wir kaufen kein Wasser in Flaschen, da wir Leitungswasser trinken. Aber sich 2, 3 Flaschen hierfür zu besorgen und über Jahre so zu nutzen, das lohnt sich!

Ein weiterer Profitipp: Wer Anzuchtschalen benutzt, kann etwa 2 cm feinen Sand (Spielsand, Vogelsand) gleichmäßig in den Schalen verteilen. Warum? Kommen die Wurzeln allmählich aus den Anzucht- oder Quelltöpfen, dann können sie sehr leicht austrocknen; auch in Zimmergewächshäusern. Der dann feuchte Sand verhindert das nicht nur, nein, er fördert auch das Wuchzelwachstum. Ich habe das letzten Winter bei Anzuchttöpfen wie später weiter gepflanzten Töpfen ausprobiert. Und es war sehr positiv für das Pflanzenwachstum. Auch wenn ich damit vorrangig die Wurzeln vor Trauermücken schützen wollte.

Sind die Paprika oder Chili schön gekeimt und haben nach den spitzen Keimblättern ein, besser zwei echte Blattpaare, dann werden sie in kleine Plastiktöpfe mit Pflanzerde weitergetopft. Am besten deutlich tiefer (also ein Teil des Stängels einbuddeln), dann wachsen sie noch besser an und bilden mehr Wurzeln. Für das Umtopfen von Paprika, Chili und alle anderen Setzlinge habe ich seit vielen Jahren 9 x 9 cm messende Töpfe, die ich jedes Jahr wiederverwende.

Tipp hier: NIE Setzlinge am Stängel, besser auch nicht an echten Blättern festhalten. Wenn, dann ausschließlich an einem Keimblatt, um sie im späteren Blumentopf etwas zu stabilisieren.

Die Maßnahme des Tiefersetzens hilft auch bei Geilwuchs. Was das ist? Siehe weiter unten unter den Problemen.

Beschriftet werden die unterschiedlichen Sorten am besten mit Stecketiketten. Diese sind langlebig und werden am besten mit Bleistift beschriftet. Dieser spült sich nicht ab oder bleicht aus (wie Filzstifte z.B.) und kann für die nächste Saison einfach abradiert oder mit einem feuchten Mikrofasertuch entfernt werden.

Paprika und Chili säen: Einfache Anleitung in Bildern

Anzuchttöpfe mit Anzuchterde füllen, etwas Platz zum Rand lassen, wässern, Samen drauf, abdecken, warmstellen. Das ist die kurze Anleitung für die Aussaat von Chili und Paprika zum richtigen Zeitpunkt von Januar bis März. Wie es genau funktioniert – etwas ausführlicher als Anleitung in der Bildgalerie.

Gängige Probleme in der Anzucht von Chili und Paprika

Wäre alles doch nur so einfach. Leider kann es auch zu einigen Problemen in der Anzucht von Pflanzen aus Samen kommen. Welche das sind und wie man diese lösen kann: Hier habe ich in einem gesonderten Beitrag die gängigen Probleme und Maßnahmen zusammengefasst. Ein Beispiel: Paprika und Chili mögen es warm. Zum Keimen benötigen sie über 20 Grad. Doch beim Wachsen kann diese Temperatur ein Problem werden, wen, ja, wenn die Lichtverhältnisse nicht stimmen.Im Link wird dieses und weitere Probleme in der Anzucht erklärt und Gegenmaßnahmen empfohlen.

Wann kann man Chili und Paprika pflanzen und kann man sie überwintern?

Beide leckeren Pflänzchen sind wahre Sonnenanbeter und Wärmeliebhaber. Nach draußen gepflanzt werden sollten sie daher wirklich erst ab Mitte Mai. Die Temperaturen sollten dann nicht unter 10 Grad gehen. Was übrigens auch für den Herbst gilt, denn gerade im Herbst stellen sie dann Blüte wie Wachstum ein und reifen schlechter ab. Vorher aber immer wieder an warmen Tagen raus mit den Chili und Paprika-Pflanzen an die frische Luft und akklimatisieren. Anfangs nicht in die pralle Sonne, denn da könnten die Blätter verbrennen, wenn sie bis dato nur auf der Fensterbank gewachsen sind. Ich stelle die Töpfe mit den selbstgezogenen Chili und Paprika bei entsprechendem Wetter morgens raus und zeitig vor dem Sonnenuntergang kommen sie wieder rein.

Paprika aus Samen selber ziehen Stand 1. Februar_600
So sollten die Paprika oder Chili (sind hier beide ausgesät) nach 4 bis 6 Wochen aussehen, wenn der Keimplatz warm genug war. Mittlerweile bilden sie die ersten echten Blätter aus und stehen an einem Fenster OHNE Heizung darunter. So wachsen sie langsamer, schießen aber nicht.

Wer ein Gewächshaus oder sehr großes Frühbeet hat, kann die Pflanzen bei entsprechend milder Witterung – was wir ja durchaus auch im April bereits haben können – rausstellen. Wird es doch noch einmal kälter, dann entsprechend reagieren. Der Topfgärtner hat den Vorteil: Sind die Chili und Paprika im Topf, anstatt im Beet, dann kann man die Pflänzchen früher rausbringen und gegebenenfalls wieder reinholen, somit die leckeren Früchtchen auch früher einpflanzen, ein Wachstumsvorteil.

Chili Vielfalt, Chili säen Anzucht und überwintern
Die Vielfalt der Chili (Bild) wie die der Paprika in Samenform ist groß und wer bereits im Juli ernten will, sollte mit beiden Pflanzensorten jetzt im Januar, spätestens im Februar loslegen.

Und: Wer Platz als Balkon- und Topfgärtner hat, kann mal versuchen Chili und Paprika zu überwintern. Die Pflanzen sind mehrjährig. Faustregel dabei ist: Je wärmer desto heller. Ist der Überwinterungsraum recht dunkel – aber nicht völlig lichtlos – werfen die Chili und Paprika möglicherweise die Blätter ab. Und noch ein Tipp beim Chili und Paprika überwintern: Schnell sind bei Heizungsluft Schädlinge an den Pflanzen. Am besten bereits vor dem Einräumen kontrollieren und gegebenenfalls behandeln. Ich habe ein Biospritzmittel von Neudorff – „“Blattlausfrei“ – das gegen die gängigen Schädlinge wirkt und auch im Innenraum gespritzt werden kann. Auch hilfreich: die natürlichen Spritzmittel, die ich in der Rubrik „Natürliche Pflege“ empfehle.

Paprika & Chili: Samentipps

Wer sich mal schlau macht, wird merken: Beispielsweise bei Paprika gibt es nicht nur Rote, Gelbe und Grüne ohne Namen, wie man sie im Handel bekommt, sondern richtig tolle Sorten. Gleich ist es bei Chili.

Meine Paprikaempfehlungen:

  •  Chocolate Beauty (lila-braune, sehr dunkle und optisch ansprechende, auch im Topf große Paprikaschoten, die sehr gut schmecken. Auch grün schon lecker)
  •  Cubo Orange (leuchtend-orange, wenn reif; sehr aromatisch und schön groß, beide Sorten baue ich seit Jahren im Topf und Hochbeet an)
  • Californian Wonder (roter, großer, ebenfalls süß-aromatischer Paprika)

Meine Chiliempfehlung:

  • Glockenchili (hübsch anzusehen, aromatisch, Schärfegrad 5/10; wird 1+ m auch im Topf groß)
  • Lemon Drop Chili mit Zitrusaroma (ich meine auch 5/10 in der Schärfe, eindeutiges Zitrusaroma; neben der Schärfe 🙂 eher kleinwüchsig, ertragreich). Meines wissens gleich zu dem, was es als Aji Lemon-Chili im Handel gibt.
  • Numex Twighlight (von weiß, über lila, orange und rot abreifend, aber in jedem Stadion natürlich essbar; echt hübsch anzusehen! kleine, aber viele Schoten, kleine Pflanze von etwa 40 cm; Schärfe 6 – 7/10, aber dank der Größe, gut zu dosieren)
  • Pimientos de Padron (Tapas-Fan? Dann gehören die Pimientos in den Anbau! Sie werden grün geerntet, mehrere Löcher einstechen und mit Olivenöl und Knoblauch in der Pflanne oder auf dem Grill zubereitet. Salzen und genießen. Sind unterschiedlich scharf, aber auch für wenig Scharfesser genießbar. Ausgereift = rot  = gute Chilischärfe)
  • Sweet Chocolate (oben im Chilibild, die hübsche Schokobraune; nur leicht scharf, aromatisch)

Chili- und Paprikasamen kann man online in einer sehr großen Auswahl kaufen. Empfehlenswert: Bio-Qualität wie sie es etwa bei Dreschflegel oder Bingenheimer Saatgut gibt.

Ach, und nochwas zur Topfgröße: Ich verwende für diese Pflanzen wie auch für Kräuter ganz einfache Tontöpfe, die mindestens 24 Zentimeter Durchmesser haben, besser noch sind 30er mit mindestens 10 L Erdvolumen. Frei nach dem Motto: Kleiner Topf, kleine Pflanze, großer Topf große Pflanze. Zur Pflanzerde kommen dann noch 1, 2 Hände voll mit Kompost, etwas Urgesteinsmehl und/oder Hornspäne unter die Erde.

Mein Tipp: Pflanzsäcke aus Vlies. Sie sind noch ein kleiner Geheimtipp, aber die pflanzen wachsen darin super. Nachteil: Da die Säcke durchlässig sind (was den Pflanzen gefällt), müssen sie mehr gegossen werden.

Definitiv nicht ratsam: Paprika und Chili in einfache Blumenkästen – was man immer wieder auf Bildern im Netz sieht – mit einigen anderen Pflanzen zu setzen. Die Wurzelkonkurrenz mitsamt dem Wasser- und Nahrungsmangel ist einfach zu groß. Ähnlich lange in der Entwicklung ist die subtropische Aubergine. Wie man diese bis spätestens Anfang Februar, eher früher aussät, im Blogbeitrag zum Aussäen von Auberginen.

Fragen? Einfach mailen an redaktion (at) muhvie.de oder in der Kommentarfunktion.

(Der Text enthält beispielhafte Produktlinks. Wird über diese Links etwas gekauft, dann kommt hiervon ein kleiner Betrag dem Betreiben dieser Internetseite zugute)

Text und Bilder: © Jürgen Rösemeier-Buhmann

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