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Oh wie Aubergine: Samen rechtzeitig aussäen und im Sommer genießen

Aubergine aussäen im Januar oder Februar, später sehr sonnig stellen. Auberginen sind ideal für den Topfgarten oder Balkongarten.
Aubergine aussäen ist im Januar, spätestens Anfang Februar ratsam, da die 50 Zentimeter bis über einen Meter großen Pflanzen eine lange Entwicklungszeit haben und die Früchte langsam reifen. Auberginen sind ideal für einen sonnig-warmen Platz im Topfgarten oder Balkongarten. Foto: (c) zhekos – Fotolia

Schon seit mehr als 4.000 Jahren soll die Aubergine in ihrer subtropischen Heimat Asien angebaut werden und wäre sie nicht so verfroren, dann könnten wir lange Zeit von dem mehrjährigen Nachtschattengewächs, mit seinen vielen gesunden Antioxidanzien ernten. Klein und kugelig bis keulenförmig und lila bis weiß sind die roh wenig schmackhaften Früchte der Aubergine, die man mit etwas Geduld und an einem warmen Plätzchen auch selbst aussäen kann. Idealerweise im Januar bis Anfang Februar und für einen sehr warmen Platz, etwa im Topfgarten.

Da sie in der Entwicklung eher langsam ist, mindestens zwei Wochen, eher drei bis vier benötigt um zu keimen und dann auch noch die meist mediterran zubereiteten Früchte ewig bis zur Reife benötigen, sollte man Auberginen zeitig aussäen. Januar und Februar, das sind die Monate, in denen man Auberginen säen sollte. Wie das geht? Ziemlich einfach.

Tipp: Passt das Licht partout nicht in den eigenen 4 Wänden, dann empfehle ich Pflanzenlampen für die Anzucht von Auberginen (aber auch von Chili, Paprika oder Tomaten). In meinem Beitrag finden sich auch Schreibtischlampen, die ich in der Praxis getest habe.

Auberginen säen: So gelingt es… oder doch nicht so ganz

Auberginen richtig säen

Neben den Samen benötigt man Anzuchtschalen. Hierin kann einfach jede Pflanze alleine und in bester Gesellschaft wachsen. Empfehlenswert ist ein Zimmergewächshaus mit Deckel(siehe Bildergalerie; in verschiedenen Größen erhältlich), da hierin ein optimales, feucht-warmes Mikroklima herrscht. Die halten Jahre.

Dann gute Aussaaterde, liebend gerne torffrei wie die Aussaaterde von Neudorff. Diese ist stets mager, also nährstoffarm, damit die Pflanzen schöne und kräftige Wurzeln bilden. In normaler Pflanz- oder Kübelerde wären zu viele Nährstoffe. Die Samen würden keimen, ordentlich nach oben wachsen, dann aber wenig Wurzeln bilden. Dies gilt für alle frühe Anzuchten im Haus.

Ausnahmen bei der Aussaat: Spät zu sehende und rasch wachsende Zucchini und Gurken. Die kommen gleich in größere Töpfe mit ganz normaler Erde. Gleiches mache ich mit beispielsweise vorgezogenen Salaten, Fenchel und Co. die ich über den Sommer draußen vorziehe. Nach meinen Tests macht die Erde hier keinen Unterschied.

Schließlich sind noch Aussaat- oder Anzuchttöpfe nötig. 5 – 6 cm Größe ist optimal, kleinere haben sich für mich nicht bewährt und runde Töpfe sind unpraktisch, da sie vergleichsweise viel Platz benötigen und nicht so standhaft sind. Tipp: Diese torffreie Pflanztöpfe, viereckig, 5 cm, 144 Stück (die Großpackung lohnt sich auch für Balkongärtner. Im Zweifelsfall kann man die Pflanztöpfe in den kommenden Jahren auch noch verwenden und sie sind für praktisch alle Aussaaten geeignet).Hier ein Tipp: Ich lese regelmäßig in Rezensionen und Gartengruppen „Hilfe, meine Anzuchttöpfe schimmeln!“. Ja, das können sie mal. Das kommt sehr gerne und gerade in Zimmergewächshäusern mit Deckel und damit einem feucht-warmen Klima vor. Hier heißt es: Deckel ein paar Tge herunternehmen und die Anzuchttöpfe möglichst (aber nicht ganz! wenn noch nichts aus der Erde schaut) antrocknen lassen. Dann verschwindet der Schimmel auch wieder. Den Pflanzen hat das bei mir noch nie geschadet.

Man kann alternativ auch direkt in eine flache, mit Erde befüllte Schale – oder andere Gefäße – säen, dann steht allerdings später noch das Pikieren an. Zumal viele dazu neigen, in die Schalen viel zu viele Samen zu geben.

Alternativen sind Quelltöpfe aus Kokos. Es gibt auch sogenannte Kokoserde. In Wahrheit ist dieses Produkt, wie die Quelltöpfe, einfach nur Kokosfaser. Ich persönlich mag beides nicht, denn in Anzuchterde (auch wenn diese meist einen Anteil an Kokosfasern enthält) erscheint mir der Wuchs der kleinen Pflanzen besser.

Auch sehr angesagt: Selbstgedrehte Anzuchttöpfe aus Zeitungspapier. Meine Meinung (und ich habe sie 2 Jahre getestet): Machen richtig viel Arbeit, die Pflanzen schaffen es kaum, ihre Wurzeln durch das störrische Zeitungspapier zu schieben, sie schimmeln schnell und lösen sich in der Erde praktisch nicht auf. Zudem weiß ich nicht, was in dieser Druckfarbe enthalten ist. Früher war wohl mal Blei drin; ist das nach wie vor so?

Ein kleines Problem ist das wohldosierte Gießen der Anzucht. Hier habe ich vor Jahren mal etwas entdeckt: Flaschengießaufsätze für Kunststoffflaschen (siehe Bildergalerie). Wir kaufen kein Wasser in Flaschen, da wir Leitungswasser trinken. Aber sich 2, 3 Flaschen hierfür zu besorgen und über Jahre so zu nutzen, das lohnt sich!

Und mein Trick, der aus dem Profigartenbau kommt: Vermiculit oder Vermiculite zum Abdecken der Saat. Das natürliche Silikat speichert zum einen Feuchtigkeit, zum anderen schimmelt es nicht. Tipp für Topfgärtner: Auch im Topf oder Balkonkasten ist die Zugabe von Vermiculit super. Es speichert jede Menge Wasser, was den Pflanzen zugute kommt.

Ein weiterer Profitipp: Wer Anzuchtschalen benutzt, kann etwa 2 cm feinen Sand (Spielsand, Vogelsand) gleichmäßig in den Schalen verteilen. Warum? Kommen die Wurzeln allmählich aus den Anzucht- oder Quelltöpfen, dann können sie sehr leicht austrocknen; auch in Zimmergewächshäusern. Der dann feuchte Sand verhindert das nicht nur, nein, er fördert auch das Wuchzelwachstum. Ich habe das letzten Winter bei Anzuchttöpfen wie später weiter gepflanzten Töpfen ausprobiert. Und es war sehr positiv für das Pflanzenwachstum. Auch wenn ich damit vorrangig die Wurzeln vor Trauermücken schützen wollte.

Sind die selbstgezogenen Auberginen dann endlich groß genug, dann werden sie in normale Pflanzerde weitergetopft. Hierzu nutze ich seit Jahren langlebige 9 x 9 cm große Töpfe.

Nicht zu vergessen: Stecketikette. Man kann sich hier irgendwas basteln, Joghurtbecher in Streifen schneiden, geht auch. Am einfachsten und praktischsten sind diese kräftigen Stecketiketten, die Jahre halten. Am besten werden sie mit Bleistift beschriftet. Das hält ewig und bleicht nie aus. Für das nächste Jahr werden sie mit einem Radiergummi oder feuchten Mikrofasertuch gereinigt und neu beschriftet.

Auberginen aussäen: Sortenempfehlungen

Bei Auberginen scheiden sich ja die Geister, die einen mögen sie nicht, die anderen sagen, dass sie nach nichts schmecken. Ein Vergleich: Schonmal Tomaten gekauft und dagegen alte Tomatensorten angebaut? So verhält es sich auch mit selbstgezogenen Auberginen, die wirklich nach was schmecken.

Definitiv zu empfehlen:

  • Black Beauty (schön dunkel, längliche bis birnenförmige Frucht, glatt bis leicht gerippt an der Unterseite)
  • Casper – weiße Aubergine! (Eine echte Seltenheit, schmeckt gut. Aha-Effekt: Vollreif wird sie gelb; dann ist sie sehr aromatisch und die Samen zum Sammeln erst reif)

Gängige Probleme in der Anzucht

Wäre alles doch nur so einfach. Leider kann es auch zu einigen Problemen in der Anzucht von Pflanzen aus Samen kommen. Welche das sind und wie man diese lösen kann: Hier habe ich in einem gesonderten Beitrag die gängigen Probleme und Maßnahmen zusammengefasst. Ein Beispiel: Die Aubergine mag es warm, um zu Keimen. 20 Grad und etwas mehr sind hierbei nötig. Diese Temperaturen können später, bei schlechten Lichtbedingungen schlecht sein. Es kann zu Geilwuchs kommen. Was das ist, wie man diesen vermeidet und weitere Probleme und Gegenmaßnahmen für eine erfolgreiche Anzucht.

Aubergine richtig pflanzen im Topfgarten oder Gewächshaus

Auberginen-Pflanzen lieben die Wärme und nährstoffreiche Erde. Sie gedeihen daher im sogenannten Weinbauklima bestens. Tipp: Statt ins Beet, die Auberginen besser in Töpfe pflanzen und an den wärmsten Standort stellen. Ein 10 Liter fassender Topf genügt für eine Pflanze. Dieser sollte allerdings mit etwas Kompost (1:7 im Verhältnis Kompost Erde), Hornspäne und/oder Urgesteinsmehl angereichert sein. Ab und an ab der ersten Blüte zusätzlich Flüssigdünger geben schadet nicht. Auf dem Südbalkon hatten wir so eine locker einen Meter große Pflanze mit ganz einträglicher Ernte. Alternativ: In einem Gewächshaus die Auberginen pflanzen.

Tipp zur Ernte: Bei der Ernte von Auberginen muss man sich nicht unbedingt beeilen. Irgendwann haben sie ihre typische Farbe an der kompletten Frucht ausgebildet. Dann wachsen sie allerdings nach und nach weiter. Im Gegensatz zu Zucchini schadet es nicht, die Früchte wachsen zu lassen. Abschlusstipp: Gebt den Auberginen rechtzeitig einen Stützstab. Alleine die fast tellergroßen Blätter flattern ganz schön im Wind.

Ähnlich langsam wachsen Paprika und Chili. In dem Blog-Beitrag Paprika und Chili säen ist die Vorgehensweise einfach erklärt.

(Der Text enthält beispielhafte Produktlinks. Wird über diese Links etwas gekauft, dann kommt hiervon ein kleiner Betrag dem Betreiben dieser Internetseite zugute)

Text und Bilder: © Jürgen Rösemeier-Buhmann

 

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